John Grisham – Die Wächter

Der neue Roman von Erfolgsautor John Grisham beleuchtet das korrupte Justizsystem der Vereinigten Staaten von Amerika. In einer spannenden und auf überwiegend realen Ereignissen basierenden Geschichte erzählt der Autor zum einen die Geschichte eine zu Unrecht seit über 20 Jahren inhaftierten Farbigen und einer Organisation, die sich darauf fokussiert hat, zu Unrecht Verurteilten zu helfen und zu versuchen, durch das Ermittlern früherer Verfahrensfehler und Falschaussagen von Beteiligten, diese aus der Haft zu befreien. Doch auch obwohl sich die Irrtümer und Umstände, aufgrund derer scheinbar schon im jeweiligen Prozess falsche Urteile gefällt wurden, offensichtlich gewesen sind, hat das die fälschlicherweise Angeklagten nicht vor einer Verurteilung gerettet, sondern diese für oftmals mehrere Jahrzehnte hinter Gitter gebracht.

John Grisham beschreibt das Schicksal des unschuldig Verurteilten Quincy Miller, der beschuldigt wurde, seinen früheren Anwalt erschossen zu haben und der mittlerweile seit über 22 Jahren nach Überzeugung des früheren Anwalts Cullen Post, der zwischenzeitlich auch Priester gewesen ist und nunmehr ein Teil der Organisation Guardian Ministries ist, zu Unrecht seiner Freiheit beraubt ist.

Cullen Post taucht mit Hilfe eines Netzwerkes der Organisation Guardian Ministries in die Geschichte von Quincy Miller ein und mit der Zeit kommen immer mehr Ungereimtheiten zu Tage, die letztlich seinen Mandanten derart entlasten, dass die neuen Erkenntnisse für andere Personen und Organisationen gefährlich werden. Und so kommt einerseits eine Entlastung des Verurteilten näher und näher und andererseits wird Quincy Miller im Gefängnis Opfer eines brutalen Anschlags und muss plötzlich auf eine andere Weise, nämlich im Krankenhaus, um sein Leben kämpfen. In mehrerer Hinsicht beginnt für alle Beteiligten ein Wettlauf gegen die Zeit, gegen frühere Falschaussagen damaliger Zeugen und nach Beweisen, die allesamt schon mehr als zwei Jahrzehnte alt sind.

John Grisham gibt in „Die Wächter“ erschreckende Einblicke in das amerikanische Justizsystem und zeigt ganz offen auf, wie manche Urteile sich durch Manipulationen von Zeugen, Falschaussagen, Korruption und Abhängigkeiten aufgrund von Schmiergeldern und anderen Machenschaften, auf bestimmte Weise von außen steuern lassen. Und im selben Maße kommt gleichzeitig eine Erschütterung in das Vertrauen auf einen für jeden Angeklagten fairen Prozess beim Leser auf. Und irgendwie drängt sich beim Lesen der Gedanke auf, dass derartige Situationen sicherlich nicht nur auf den Bereich der Vereinigten Staaten von Amerika begrenzt sein werden, sondern vielleicht sogar im eigenen Land passieren.

Tolle Charaktere, die John Grisham sehr gut vorstellt und agieren lässt, eine Organisation, die es im realen Leben ebenfalls gibt und für deren ehrenamtliche Tätigkeit der Autor ganz am Ende in seinem Nachwort um Unterstützung wirbt, sowie einige interessante Fallkonstellationen, von denen der Fall um den Farbigen Quincy Miller den überwiegenden Teil des Buches einnimmt, machen „Die Wächter“ zu einem der vielleicht besten John Grisham Romane der letzten 20 Jahre.

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