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Jussi Adler-Olsen - Selfies

Im neuesten Buch des dänischen Erfolgsautoren Jussi Adler-Olsen bekommt es das Sonderdezernat Q nicht nur mit einem Kernfall, sondern gleich mit mehreren parallelen Fällen zu tun. Carl Mørk und seine Assistenten Assad und Gordon befassen sich nicht nur mit einem alten Mord an einer Lehrerin und einem scheinbar damit in Verbindung stehenden aktuellen Fall, bei dem eine alte reiche Dame zu Tode gekommen ist.
Vielmehr hat auch die Assistentin des Sonderdezernats Q, Rose, einen neuerlichen psychischen Rückschlag erlitten und trägt sich intensiv mit dem Gedanken, sich umbringen zu wollen. In einem anfänglichen Parallelgeschehen kommt es dann zu immer größer werdenden Aggressionen einer Sozialarbeiterin gegen weibliche Sozialschmarotzer, die selbst nichts wirklich leisten, aber bei ihr stets Sozialhilfe vom Staat abgreifen wollen. Als die Sozialarbeiterin dann selbst die Diagnose bekommt, dass sie an Krebs erkrankt sei, beschließt sie, ob ihres scheinbar nahenden Endes, diese Sozialschmarotzerinnen, die dem Staat nur zu Last fallen und ihr selbst richtig auf die Nerven gehen, umzubringen. Perfide und mittels fremder Fahrzeuge beginnt sie eine Mission, die mit dem grausamen Überfahren ihrer ausgemachten Zielpersonen enden soll.
Allerdings läuft bei diesen Vorhaben nicht immer alles so nach Plan, wie es seitens der verbitterten Sozialamtsfrau geplant ist. Ab der Mitte des neuen Romans "Selfies", dessen Titel irgendwie etwas unglücklich gewählt ist, fangen die Fälle dann an, ineinander zu laufen und man erkennt immer mehr Zusammenhänge. Lange Zeit nehmen Carl Mørk und seine beiden Kollegen an den Fällen allerdings mehr passiv denn aktiv teil. Das Schicksal ihrer Kollegin Rose und deren erneuter Zusammenbruch veranlassen die ihre Kollegen, in die Vergangenheit von Rose einzutauchen, um die Ursache für ihr Verhalten herauszufinden. Zu guter Letzt offenbart sich den Ermittlern nicht nur Roses Schicksal mitsamt seiner Hauptursache.
Vielmehr werden die beiden in Verbindung stehenden Verbrechen an zwei völlig unterschiedlichen Frauen, scheinbar ohne direkte Verbindung zueinander, aufgeklärt und auch der Sozialarbeiterin, die bei ihren perfiden Morden immer skrupelloser und Menschen verachtender vorgeht, kommt man auf die Schliche. Jussi Adler-Olsen beleuchtet in seinem neuen Roman die sozialen Brennpunkte der Gegenwart. Er befasst sich mit dem Leben von Personen in sozialen Brennpunkten, Zukunftslosigkeit und Gleichgültigkeit, Respekt und Arroganz. Diese unterschiedlichen Themen bettet der Däne in ein vielschichtiges Geflecht an Handlungssträngen ein, die er langsam aber zielgerichtet zusammenlaufen lässt, bis sie sich am Ende sehr geschickt entwirren und das Buch zu einem nachvollziehbaren und durchaus spannenden Abschluss bringen.
An manchen Stellen verliert sich der Autor dieses Mal etwas in zu langen Beschreibungen der Geschehnisse. Die Ermittlungsarbeit von dem Mitarbeiter des Sonderdezernats Q kommt dieses Mal etwas kürzer und erscheint lange Zeit nicht wirklich strukturiert. Das liegt daran, dass "Selfies" nicht den einen alten und bislang ungeklärten Fall aufweist, den Carl Mørk und seine Kollegen erneut aufgreifen und letztlich lösen.
Die vielen parallelen Handlungen geben dem Roman mehrere Schwerpunkte und gestalten ihn im Vergleich zu den vorherigen Büchern von Jussi Adler-Olsen etwas ungewohnt neuartig. Das Geheimnis um Rose Verhalten und damit einher gehend tiefe psychische Wunden werden in "Selfies" gelüftet. Der Leser schließt diesen Charakter nun auf eine neue, teils schon fast mitleidige Weise neu in sein Herz. Und zudem erschließen sich einem die wahren Schwerpunkte, die es im Leben zu setzen gilt durch das Durchleuchten des Schicksals von Rose auf eine subtil erschreckende Weise ebenfalls neu.
"Selfies" ist gut und größtenteils sehr flüssig geschrieben. Jussi Adler-Olsen beschreibt die Begebenheiten recht ausführlich und macht das Geschehen somit plastisch und greifbar für den Leser. Die einzelnen Charaktere, von denen es dieses Mal deutlich mehr gibt, als bei den vorherigen Büchern, werden sehr gut dargestellt. An manchen Stellen überrascht die deutsche Fassung jedoch durch eine ungewohnt harte Ausdrucksweise.
Insgesamt bietet "Selfies" viele interessante und durchaus spannende Einblicke in unterschiedliche Gebiete, bringt persönliche Schicksale in den Vordergrund und erleuchtet das Wissen um die Eigenheiten und deren Ursachen der Mitglieder des Sonderdezernats Q auf interessante und unverhoffte Weise.
Gleichwohl muss man aber auch nach dem Lesen des Romans festhalten, dass dieser siebte Teil den Leser nicht in der Art mitreißt, wie es die ersten Bände dieser Ausnahmeserie getan haben. Allerdings ist das Kritik auf sehr hohem Niveau, denn Jussi Adler-Olsen liefert auch dieses Mal wieder eine wirklich gute Krimikost ab.

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