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Inge Löhnig – Sieh nichts Böses

Im achten Fall für die Hauptfigur der Inge Löhnig Krimi-Reihe, den sympathischen Kommissar Tino Dühnfort, dreht sich alles um Gewalt innerhalb der Familie, Machtgier, Egoismus und verletzte Eitelkeiten. Durch Zufall wird eine unter einer Baumwurzel begrabene weibliche Leiche entdeckt. Was anfänglich wie ein Zufallsfund aussieht, bekommt im Laufe der Ermittlungen immer mehr Bedeutung. Lange Zeit tappen der Kommissar und sein Team im Dunkeln bei der Ursache des Mordes, denn das die Frau Opfer eines Gewaltverbrechens wurde steht zweifelsohne fest. Der der Eintritt des Todes wurde auf einen Zeitraum datiert, der bereits zwei Jahre zurückliegt. Wie sich herausstellte, war die die Tochter vollkommen egozentrischer Eltern, die mehr Verachtung und Abneigung gegenüber ihrer Tochter spürten und lebten, als dass sie sie liebten.
Parallel baut Inge Löhnig einen weiteren Handlungsstrang auf, der lange Zeit für sich zu stehen scheint und erst in der Mitte des neuen Buchs plötzlich Überschneidungen mit dem zwei Jahre alten Mord aufzeigt. Eine erfolglose Modedesignerin, die sich auf Hüte versteift hat, steht unmittelbar vor der Privatinsolvenz und sucht eine Schuldnerberatung zur Hilfe auf. Und mit diesem Besuch ruft sie ungeahnt eine Person auf den Plan, die sie dazu aussucht, um sich an einem eigenen Familienmitglied für das eigene erlittene Leid während der Kindheit und Jugend zu rächen.
Geschickt laufen die beiden Stränge lange Zeit nebeneinander her und ebenso geschickt und vor allem unsagbar spannend führt Inge Löhnig alles zum Ende hin in plausibler Weise zusammen, so dass sich am Ende des Buches rückblickend ein Fall darstellt, dessen Taten von totaler Wut, Verbitterung, Hass und Grausamkeiten geprägt ist und den Leser bis zum letzten Wort von „Sieh nichts Böses“ nicht mehr los lässt.
Aber auch die private Geschichte und das damit verbundene Schicksal des Kommissars und seiner Frau Gina findet in diesem achten Roman eine Fortsetzung. Die Beiden erfahren, dass das Kind in Ginas Bauch nicht gesund, sondern mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen wird. Es steht eine schwere Entscheidung über eine eventuelle Abtreibung und auch über den weiteren privaten Verlauf ihres gemeinsamen Lebens an.
Die Autorin nimmt sich dieser nicht einfachen Thematik auf eine sehr angenehme und sachliche Weise an, bricht kein Schwert über Entscheidungen, die mehr zur einen oder anderen Seite der Thematik Abtreibung tendieren und gibt dem Leser so die Möglichkeit, sich erst seine eigene Meinung zu dem Thema zu bilden, bevor sie ihm die Entscheidung ihrer Hauptfiguren mit an die Hand gibt.
Alles in allem ist „Sieh nichts Böses“ ein fesselnder Kriminalroman, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite magisch in seinen Bann zieht und dessen wunderbare Schreibweise das Lesen zum einen sehr leicht und flüssig macht und zum anderen dazu führt, dass man sich zu jeder Zeit stets inmitten des Geschehens als unsichtbarer Beobachter und Ermittler fühlt. Und genauso soll ein Krimi sein – absolute Empfehlung!

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