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Fredrik Backman – Kleine Stadt der großen Träume

Der neue Roman von Fredrik Backman verlangt dem Leser über lange Zeit eines ab: Durchhaltevermögen. Denn die nur schwerlich als Einleitung zu beschreibenden ersten rund 200 Seiten – und deutlich mehr als ein Drittel des Buches – gestalten sich doch sehr langgezogen und lassen eine Wendung des Geschehens und eine später folgende Tiefgründigkeit nicht wirklich erahnen.
Der Autor befasst sich sehr intensiv mit einer kleinen abgeschiedenen Stadt in den nördlichen Wäldern Schwedens. Er schildert verschiedene Zusammenhänge, die Bedeutung des Eishockeys und das mit diesem Sport verbundene Schicksal des Ortes. Ebenso werden viele Einwohner mit ihren Besonderheiten und ihrer vorrangig immer wieder im Fokus stehenden Liebe und ihrem Fanatismus diesem Sport gegenüber vorgestellt. Allesamt unterschiedlich, doch im Sportsgeist vereint. Und als dann die Jugend-Eishockeymeisterschaften mit ihrem Halbfinalspiel in der kleinen Stadt der großen Träume unmittelbar bevorstehen, scheint dieses Ereignis das Lebenselixier in der ansonsten – außer im Sommer – dunklen kleinen Stadt zu sein. Doch dann passiert plötzlich etwas, was das scheinbar eingefahrene Geschehen auf den Kopf stellt und das Schicksal der Einwohner in neue Bahnen lenkt.
Die Werte einer Gemeinschaft werden sehr kritisch hinterfragt, wie weit darf die Liebe und Abhängigkeit zu einem Sport gehen und wie bekommt man das soziale Gleichgewicht in das Denken der fanatischen Menschen zurück. Diese Themen rücken in den Mittelpunkt der Erzählung und werden durch eine schreckliche Tat eines Eishockeyspielers an einem Mädchen aus dem Ort sowie dem daran anschließenden Verhalten der Dorfbewohner dem Opfer gegenüber sehr plastisch durch Fredrik Backman angeklagt.
Der Schreibstil des Autoren ist dabei an manchen Stellen sehr eigen. Oftmals – und auch gerade auf der Strecke des ersten Drittels – verfängt er sich in zu vielen Wiederholungen und Details. Hier hätte der Einstieg in das eigentliche Kernthema deutlich schneller erzählt und der Leser auf die interessante und kurzweiligere Leupe gebracht werden können und sollen. Denn den Inhalt der ersten 200 Seiten hätte man auch auf maximal 50 vereinen können. Doch die zweite Hälfte des Buches entschädigt dann für den zähen und ausgedehnten ersten Teil. Allerdings kann es mit Sicherheit vorkommen, dass der Autor schon vor Seite 200 den einen oder anderen Leser verloren hat, da es diesem an Durchhaltevermögen mangelte.

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