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Anna Grue - Wie der Vater, so der Sohn

Nach einer etwas längeren Pause erscheint mit "Wie der Vater, so der Sohn" der neue Roman der dänischen Bestseller-Kriminalautorin Anna Grue. Es ist der siebte Fall ihrer Hauptfigur, dem Privatdetektiv Dan Sommerdahl. Entgegen der vorherigen Romane, kommt Band sieben der Serie nicht nur ein wenig langsamer in Tritt, sondern vielmehr sind hier auch die Schwerpunkte ein wenig anders gelagert, als das bei den ersten Romanen aus der Feder von Anna Grue der Fall gewesen ist.
In "Wie der Vater, so der Sohn" geht es um finanzielle Engpässe der Hauptfigur. Dan Sommerdahl nimmt sodann einen Auftrag an, um eine Tochter einer Einwohnerin von Christianssund, die in England studiert und sich bei ihrer Mutter einfach nicht meldet - und das, obwohl ihr Vater bei einem vermeintlichen Unfall ums Leben gekommen ist - vor Ort in Oxford zu suchen.
Der Kontakt kam zustande, da diese Frau, die Mutter der Verschwundenen, im Pflegeheim arbeitet, in das die Mutter von Dan Sommerdahl eingeliefert werden muss. Und da diese durch einen Schicksalsschlag nicht mehr richtig sprechen kann und somit die Kinder entscheiden, den Hausrat aufzulösen und das Haus ihrer Mutter zu verkaufen, findet der Privatdetektiv nicht nur Hinweise auf seinen ihm bislang unbekannten Vater, sondern gewinnt parallel auch immer mehr den Eindruck, dass es bei dem Tod des Vaters der vermissten Tochter, der als Radfahrer in eine Baugrube stürzte und dabei ums Leben kam, nicht um einen normalen Todesfall handelt. Und als dann kurze Zeit später noch ein Freund des Radfahrers tot aufgefunden wird, sind sämtliche Ermittlungsgeister von Dan Sommerdahl geweckt. Er muss zusehen, dass er zum einen seinen eigenen Vater ausfindig macht, die in Oxford verschwundene und sich ihrer Mutter verweigernde Tochter seiner Auftraggeberin findet und darüber hinaus auch im eigenen ermittlerischen Interesse, einerseits alleine, andererseits gemeinsam mit der Polizei und speziell der Abteilung seines alten Freundes, die beiden mysteriösen Todesfälle aufklärt. Und dabei gerät er in ein Netz aus Kreditmisswirtschaften, obszöne Jugendfotos, Erpressung und Rassismus. Und ganz zum Ende löst sich der Titel des Buches dann auf eine sympathische Weise auf, mit der man zu Beginn des Buches nicht gerechnet hatte und die mit dem eigentlichen Fall gar nichts zu tun hat.
Der Roman kommt etwas langatmig in Gang. Die gegenwärtige Lebenssituation von Dan Sommerdahl wird ausführlich umschrieben, ebenso das Schicksal seiner Mutter. Es dauert etwas zu lang, bis Anna Grue den Leser aus der Beschreibung der persönlichen Umstände ihrer Hauptfigur löst und ihn dann in den heiß ersehnten neuen Fall einführt.
Die Szenen rund um Dan Sommerdahls Suche nach seinem Vater und der Tochter seiner Mandantin ist etwas zu schlank und in gewisser Weise einfach erzählt. Daher mangelt es dem Buch in diesen Passagen an Spannung. Vielmehr liesst man sich so durch die Seiten hindurch, stets in der Hoffnung auf eine deutliche Steigerung, damit "Wie der Vater, so der Sohn" über den Status eines durchschnittlichen Romans hinweg kommt.
Die zweite Hälfte des Buches ist dann aber eine deutliche Entschädigung für den doch manchmal etwas zähen ersten Teil. Die Fälle nehmen Fahrt auf, die Verbindungen werden ersichtlich. An manchen Stellen leider etwas zu schnell und einfach, aber dennoch durchaus sehr spannend, nimmt Anna Grue den Leser mit in die entscheidenden Sequenzen.
Insgesamt ein gutes Buch, dessen erster Teil allerdings - anders als bei den vorherigen Romanen - erst auf eine gewisse Weise erarbeitet werden will. Hat man das dann jedoch geschafft, wird man durch einen wunderbar spannenden zweiten Teil mehr als entschädigt. Und erneut begeistert die Dänin mit ihrer Art der Satzbildung und Beschreibung der Begebenheiten vor Ort und Gedanken ihrer Charaktere. So fällt es dem Leser dann auch nicht leicht, sich schnell mit den einzelnen Figuren anzufreunden und in deren Schicksale, Gedanken und Handlungen einzutauchen. Man darf sich schon jetzt auf Band acht freuen und kann nur hoffen, dass die Wartezeit darauf dieses Mal deutlich kürzer wird, als das bei der Wartezeit auf "Wie der Vater, so der Sohn" der Fall gewesen ist.

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