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Bernhard Aichner - Bösland

Perfide, durchtrieben, erschreckend und manipulierend liest sich der neue Roman von Autor Bernhard Aichner. "Bösland" ist ein Kriminalroman, aber zugleich auch eine konzentriert kurzweilige Autobiographie der Hauptperson der Erzählung, dem in seiner Kindheit von seinem Vater im eigenen Hause schwer missbrauchten Ben.
Das Schicksal des Kindes überträgt sich hin bis in sein erwachsenes Leben und nachdem Ben, nunmehr im mittleren Alter, endlich die Hilfe einer Therapeutin zur Verarbeitung der Geschehnisse seiner Kindheit, die auf dem elterlichen Dachboden vom Vater an ihm verübt worden sind, sucht, stürzen plötzlich ganz andere Erinnerungen auf ihn ein und eine alte Filmaufnahme, die Ben wiederfindet, als er nach großer Überwindung und auf Anraten seiner Therapeutin erneut in sein Elternhaus geht, bringen plötzlich Erinnerungen an ein Verbrechen zurück, für das er damals verhaftet und verurteilt wurde.
Plötzlich ist sein alter Freund aus Kindertagen, Kux, wieder im Mittelpunkt von Bens Gedanken und er entschließt sich, seinen alten Freund, der ein komplett anders verlaufendes Leben führt, mit den Aufzeichnungen des alten Videos zu konfrontieren. Und damit nehmen Vergangenheit, Gegenwart einen ganz anderen Lauf, als Ben selbst das erwartet hat.
"Bösland" ist ein guter Roman, der sehr durchdacht ist und nicht nur die Gefährlichkeit Manipulation, sondern auch die Macht des Geldes und die damit oftmals verbundene Selbstüberschätzung und Skrupellosigkeit in den Mittelpunkt rückt. Die beiden Hauptfiguren des Romans könnten unterschiedlicher nicht sein und Bernhard Aichner stellt in seinem Roman die Gegensätze sehr gut dar.
Auf der einen Seite der arme Ben, der als Kind regelmäßig von seinem Vater missbraucht wird und als verurteilter Mörder in der Psychiatrie landet. Auf der anderen Seite Kux, ein Sohn reicher Eltern, der alles bekommt, was er möchte und dann auch als Erwachsener im Reichtum schwimmt und meint, sich mit seinem Geld alles und jeden kaufen zu können.
Doch im Laufe des Romans werden aufgrund bestimmter Umstände plötzlich die Rollen getauscht. Kux, der stets in seinem Leben die Oberhand über alles hatte, gerät anfangs durch das alte Video, das Ben aufgenommen hat, in eine passive Situation. Doch das Hochgefühl, das Ben sodann bekommt, hält nicht lange an, denn durch weitere Manipulation wechseln die Rollen der beiden Charaktere immer wieder auf interessante Weise. Und das unter diversen Umständen, die bis hin zum Ende des Romans immer wieder wechselwirksame emotionale Veränderungen und Abhängigkeiten mit sich bringen. Vielschichtig und kurzweilig unterhaltsam mit subtilem Nachgeschmack.
Bernhard Aichner hat in seinem neuen Roman zwei Dinge hervorragend umgesetzt. Zum einen eine flüssige Schreibweise mit jeder Menge direkten Beschreibungen und zum anderen eine Gesamtseitenzahl von knapp 450 Seiten, bei denen aber gefühlt 30 Prozent Leerseiten oder Schlagwortseiten sind.

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