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Andreas Eschbach "Todesengel"

Das Buch beginnt spannend und rasant und binnen kürzester Zeit ist man als Leser im Thema. Die ersten Seiten erzählen von einem Angriff gewaltbereiter Jugendlicher gegen einen älteren Herrn in einer U-Bahn Station. Im Hinblick auf die reale Situation, welche sich vor ein paar Jahren in einer Münchener U-Bahn Station abgespielte und den Tod des unbeteiligten Passanten zur Folge hatte, läutet Eschbach seinen neuen Roman also gleich mit einem wahren Paukenschlag ein. Der sodann auftauchende in gleißendes Weiß gehüllte Unbekannte, der dem Roman auch seinen Namen gegeben hat, taucht auf und richtet die Jugendlichen kompromisslos durch Erschießen hin. Danach verschwindet er ebenso unerkannt, wie er gekommen ist.
Seitens der Polizei und der Öffentlichkeit wird dann aber immer intensiver die Vermutung in den Raum gestellt, der alte Mann wäre nicht Opfer, sondern Täter in dieser Sache. Und somit wird hier auf schlanke Weise und vor allem ohne wirkliche Be- bzw. Nachweise eine Person zu einem Täter gemacht, die eigentlich reines Opfer gewesen ist.
Nach diesem Aufschlag kommt dann der zweite Handlungsstrang zum Vorschein, den Andreas Eschbach in die Geschichte einbettet. In der Person des erfolglosen Journalisten Ingo Praise, der seitens seines Chef auf den Vorfall angesetzt wird und sich darum bemüht, dass die Opfer auch als Opfer und nicht als Täter behandelt werden. Noch während der Nachforschungen und Aufdeckungen, die der Journalist unternimmt, kommt es an diversen Orten und Plätzen immer wieder zu gewaltbereiten Taten durch Einzelpersonen oder Gruppen. Und stets lässt Eschbach im Rahmen der Selbstjustiz den unbekannten "Todesengel" auftauchen, der die jeweiligen Täter gnadenlos hinrichtet.
Der erste Handlungsstrang wird mit jeder erneuten Tat stets vorhersehbarer und der zweite auf die Dauer etwas langatmig. Und auch wenn der sozialpolitische und damit verbunden der kritische Ansatz dieses Romans wichtig und von Bedeutung in Hinblick auf das Widerspiegeln des gesellschaftlichen Verhaltens der Gegenwart sind, so hätte diese Thematik in einer anderen Art der Umschreibung vielleicht effektiver ins Ziel getroffen.
Und obgleich der Satzbau und damit verbunden auch der Erzählstil von Andreas Eschbach gewohnt gut sind, so schleicht sich die Spannung dann ab Seite 150 langsam aber sich aus dem Buch. Und am Ende bleibt dann eine irgendwie unbefriedigende Auflösung, die für die Mäßigkeit der gut 300 Seiten zuvor nicht entschädigen kann.

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