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Simon Beckett - Totenfang

Der Klappentext des neuen Simon Beckett Romans um seine Hauptfigur David Hunter las sich eigentlich recht spannend. Ein Leichenfund in den Backwaters, eine vermisste männliche Person einer der einflussreichsten Familien der Gegend um die britische Stadt Essex und zudem eine vermisste Frau, die scheinbar mit dem ebenfalls vermissten Mann eine außereheliche Beziehung hatte. David Hunter wird von der örtlichen Polizei hinzugezogen, da diese einen männlichen Torso in den Backwaters entdeckt hat, diesen aber nicht identifizieren kann. Und im Laufe der Zeit sieht sich die Hauptfigur des Simon Beckett Romans auf der Suche nach Identitäten und Morden nicht nur der Gnadenlosigkeit der Landschaft, sondern auch noch den gefährlichen Verstrickungen der Anwohner ausgesetzt.
„Totenfang“ kommt leider zu keinem Zeitpunkt so in Fahrt wie dies die vorherigen Romane der „David Hunter“ Serie taten. Simon Beckett verliert sich in zu viel Detailverliebtheit, beschreibt die Landschaft und die Empfindungen David Hunters oftmals zu wiederholend und ausgedehnt, so dass man beim Lesen des Romans oftmals ungeduldig wird, da die eigentliche Kernhandlung auf der Stelle zu treten scheint. Umstände und Begebenheiten, die man auf wenige Seiten hätte straffen können, nehmen deutlich zu viel Raum ein und das geht zu Lasten der Spannung. Simon Beckett hat bei „Totenfang“ zudem das Verhältnis von Erzählung aus der Ich-Perspektive und Dialogen deutlich verändert. Es gibt recht wenig Dialoge und der Autor verliert sich zu oft in allzu vielen Umschreibungen von Gefühlszuständen, Umgebungseinflüssen und Erinnerungen.
Die letztliche Auflösung des Falls „Totenfang“ ist in Ordnung, wenngleich kein großer Wurf von Innovation. Und einmal mehr gibt es zum Ende hin noch einen Umstand, der quasi eine Art Wegbereiter für einen sechsten Roman der Serie ist. Allerdings muss sich Simon Beckett dann wieder mehr ins Zeug legen, denn die Krimilandschaft ist mittlerweile von vielen hervorragenden Autoren geprägt, die ihre Leser deutlich spannender und kurzweiliger unterhalten, als das Simon Beckett mit „Totenfang“ gelungen ist.

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Hjorth & Rosenfeldt - Feste feiern wie sie fallen & Im Schrank

Mit diesem kleinen Büchlein veröffentlicht der Rowohlt Verlag zwei Kurzgeschichten um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman. Beide Geschichten sind jedoch bereits in unterschiedlicher Form als einzelne Geschichte im Rahmen von anderen Veröffentlichungen erschienen. Nun erscheinen beide also noch einmal zusammen in einem kleinen Büchlein, mit einem nicht wirklich belastbaren Pappeinband.
Die Geschichten als solches sind nett zu lesen und spiegeln den sehr speziellen Charakter der Hauptperson sehr gut wider. In der ersten Geschichte, "Fest feiern wie sie fallen" geht es um einen Weihnachtsbesuch bei der Familie von Sebastian Bergmans Ex-Frau. Erst will der Psychologe gar nicht daran teilnehmen, dann sieht er aber die Chance, seiner Tochter, die ebenfalls dort mit seinem Chef ist, nah sein zu können. Und zu guter Letzt hat er dann vor Ort einmal wieder "verbotenen" Sex mit einem anderen weiblichen Familienmitglied. Alles in allem nett und irgendwie typisch Sebastian Bergman.
Beim zweiten Fall sitzt Sebastian Bergman in einem Schrank der Frau eines wichtigen Zeugen eines Überfalls mit Todesfolge. Natürlich hat er auch mit dieser Sex gehabt und muss sich nun im Schrank des Schafzimmers versteckt halten, weil ihr Mann unerwartet nach Hause gekommen ist. In der Hoffnung auf Hilfe passieren plötzlich unerwartete Dinge, so dass Sebastian Bergman plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Schrank heraus die Ermittlungen rund um den Überfall mit Todesfolge löst und im Rahmen einer sehr außergewöhnlichen Vernehmung einer verdächtigen Kollegin per Handy die entscheidenden Hinweise auf die Zusammenhänge gibt, bevor er dann - da der Zeuge durch die Lösung des Falles keine Bedeutung mehr für die Polizei hat - erhobenen Hauptes und ohne Rücksicht auf Verluste, die Wohnung seines neuerlichen Sexspiels verlässt.
Die beiden Kurzgeschichten lassen sich hervorragend lesen und machen vor allem Lust auf mehr. So ist man am ende etwas wehmütig, dass das Büchlein nach gerade einmal gut 100 Mini-Seiten dann auch schon wieder zu Ende ist. Einziger Wehrmutstropfen ist der Preis des Buches, der schon nahe an dem eines deutlich mehr Seiten umfassenden normalen Taschenbuchs liegt. Zudem wäre es für diese aufgewärmte Auflage schön gewesen, wenn das Autorenduo vielleicht noch eine weitere Kurzgeschichte hätte beisteuern können.
Auf jeden Fall ist "Feste feiern wie sie fallen & Im Schrank" eine schöne Ergänzung und eine Art kleines Geschenk für alle Fans der Sebastian Bergman Reihe.

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Ein neuer Julliane Hoffmann Roman erscheint

Der Thriller «Mädchenfänger» gehört zu Jilliane Hoffmans größten Erfolgen. In «Insomnia» lässt die Autorin ihre Hauptfigur aus «Mädchenfänger», Bobby Dees, Spezialist für verschwundene Kinder, erneut ermitteln:

Mit 17 Jahren begeht Mallory Knight einen folgenschweren Fehler. Als sie auf einer Schulparty sieht, wie ihr Freund Taylor sie mit ihrer besten Freundin betrügt, verlässt sie völlig aufgelöst die Feier - und kehrt nicht nach Hause zurück. Mallorys Eltern sind krank vor Sorge, ein Großaufgebot der Polizei sucht nach ihr. FBI-Agent Bobby Dees befürchtet das Schlimmste. Denn ein Serienkiller versetzt Florida in Angst und Schrecken: Der «Hammermann» hat bereits ein Dutzend Teenagermädchen entführt und sie mit seinen grausigen Werkzeugen zu Tode gequält. Und Mallory entspricht genau seinem Beuteschema.

Doch überraschenderweise taucht Mallory nach drei Tagen wieder auf, mit blauen Flecken und Schnittwunden am ganzen Körper. Das verstörte Mädchen behauptet, vom «Hammermann» entführt und vergewaltigt worden zu sein. Aber als Bobby Dees Mallory befragt, verstrickt sie sich in Widersprüche. Schließlich gibt sie zu, alles nur erfunden zu haben; aus Rache an ihrem Ex-Freund Taylor und aus Angst davor, nach der heimlichen Partynacht zu ihren strengen Eltern nach Hause zu kommen. Ihr Leben liegt in Scherben: Die Mitschüler mobben sie wegen ihrer Lügengeschichte, die Medien starten eine Hetzkampagne.

Vier Jahre später hat Mallory ganz neu angefangen. Sie nennt sich jetzt Callie und studiert Jura. Niemand kennt sie, niemand weiß, dass sie das Mädchen ist, das damals blinden Alarm geschlagen hat. Doch immer öfter hat Callie das Gefühl, verfolgt zu werden. Und dann wird sie eines Nachts, an Halloween, auf dem Campus von einem Mann mit einer Schweißermaske in einen Lieferwagen gezerrt und entführt. Nun wird grausame Realität, was sie Jahre zuvor erfunden hatte. Durch einen glücklichen Zufall gelingt ihr die Flucht. Im Krankenhaus wird Callie befragt und ihre Vergangeheit kommt ans Licht. Sie wird als notorische Lügnerin abgestempelt, niemand glaubt ihr. Niemand außer Bobby Dees. Denn Callie weiß, was sie erlebt hat, und sie weiß, dass sie nicht die einzige ist. Gemeinsam mit Bobby muss sie die anderen Mädchen befreien…

«Insomnia» erscheint am 27.12.2016 im Wunderlich Verlag

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Cody McFadyen - Die Stille vor dem Tod

Lange hat man auf das neue Buch des amerikanischen Thriller-Autoren Cody McFadyen warten müssen. Aufgrund einer schweren Krankheit musste die Veröffentlichung des fünften Falles der Hauptfigur der Cody McFadyen Bücher, Smoky Barrett, immer wieder verschoben werden. Nun ist "Die Stille vor dem Tod" endlich erschienen und eigentlich sollte somit alles für spannende und kurzweilige Kriminalunterhaltung bereitet sein. Doch mit diesem Buch ist alles anders, leider!
Das Buch ist nicht nur inhaltlich eine wirkliche Herausforderung für den Leser, auch vom Aufbau, der Wortwahl und den Schilderungen der jeweiligen Situationen lässt der neue Roman des Amerikaners viele Wünsche offen.
Zwar ist der Anfang des Buches ähnlich spannend gehalten, wie man das von der vorherigen Büchern der Smoky Barrett Reihe auch schon kannte, doch nach kurzer Zeit löst ein unglaublicher Irrsinn und eine unfassbare Langatmigkeit die starken ersten Seiten des Buches ab. Was anfangs mit dem Mord an einer Familie und einer mit Blut direkt an Smoky Barrett gerichteten Botschaft an der Wand des Hause der Familie beginnt, führt dann zu einer Entführung der schwangeren FBI-Agentin.
Und ab diesem Zeitpunkt fängt das Dilemma an. Die Schilderungen werden so ausladend und langatmig, dass dem Leser die Lust am Lesen fast vergeht. Inhalte, die der Autor problemlos in wenigen Sätzen darstellen könnte, werden über Seiten in die Länge gezogen. Speziell der Teil, in dem Smoky Barrett aus dem unterirdischen Kellern zu entkommen versucht, ist derart anstrengend zu lesen, dass man sich alsbald auch gar nicht mehr richtig im Geschehen zurecht findet. Darüber hinaus verlieren sich die Schilderungen in langweiligen Monologen und man muss sich als Leser immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
Und in diesem Stil geht leider das gesamte Buch weiter. Es wird immer abstruser, sehr unrealistisch und endet letztlich mit der Erkenntnis, dass dieses Buch das mit großem Abstand schwächste des Autoren gewesen ist. Mit "Die Stille vor dem Tod" hat Cody McFadyen den Kult-Status seiner Hauptfigur Smoky Barrett leider demontiert.

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Thomas Nommensen - Wintertod

Wintertod ist der zweite Band von Thomas Nommensen rund um die Hauptfigur Arne Larsen, welcher im Rowohlt Verlag erschienen ist. Wintertod lässt sich, so mein persönlicher Eindruck, auch dann gut lesen, wenn man den ersten Krimi nicht gelesen hat.
Anfangs wird der Krimi aus wechselnden Perspektiven, der des Arne Larsen und der Lea Zeisberg, erzählt. Hinzu kommen später der Handlungsstrang "Waldsiedlung". Die Handlungsstränge sind spannend, lassen sich jedoch nicht einfach lesen. Der Leser wird immer wieder vor die Frage gestellt, wie die Handlungsstränge zueinander passen und wer letztlich hinter den Morden steckt. Erst zum Ende hin ergeben die Handlungsstränge Sinn und passen zueinander.
Dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Spannung des Buches, welche von Anfang an mit dem Auffinden der ersten Leiche vorhanden ist. Die Geschichte ist packend und macht es einem schwer, das Buch wieder zur Seite zu legen. Gänsehautmomente sind garantiert - auch ganz ohne blutige Szenen.
Insgesamt kann man hier von einem gelungenen Kriminalroman sprechen. Mit Arne Larsen wurde eine sympathische Hauptfigur geschaffen, wobei hier deutlich der Fall und nicht die Figur bzw. die Figuren im Vordergrund stehen. Ich kann hier eine klare Leseempfehlung aussprechen und bin gespannt, was der Autor künftig von sich lesen lässt.

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Neuer Ann Rossman Roman erscheint beim Aufbau Verlag

Ann Rossman lässt ihre Kommissarin Karin Adler von der Göteborger Polizei wieder ermitteln. Und in ihrem neuesten Fall muss sich die Kommissarin in ein "Totenhaus" wagen - und das ist der Klappentext:

Ein Toter in einem Hotel – Marstrand hält den Atem an
In Marstrands Turisthotell, einem leerstehenden Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, wird ein Toter gefunden. Schnell ist Karin Adler von der Göteborger Polizei vor Ort und nimmt die Ermittlungen auf. Ist der alte Holger Erikson, die gute Seele von Marstrand, wirklich gewissen Investoren so sehr ein Dorn im Auge gewesen, dass sie ihn ermordet haben? Je intensiver Karin Adler in diesem Mordfall ermittelt, desto mehr Ungereimtheiten ergeben sich. Während Karins Freundin Lycke das Computersystem der Gemeinde überprüft, stellt diese fest, dass ganze Datenbestände verschwunden sind. Als sie auf den Fehler hinweist, bedroht man sie – und dann verschwindet ihr Sohn.

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Thomas Nommensen veröffentlicht sein neues Buch "Wintertod"

Am 21.09.2016 ist Thomas Nommensens zweiter Kriminalroman «Wintertod» erschienen. Intelligente, atmosphärische Spannung, die den feinen Grat zwischen Gut und Böse, zwischen Normalität und Wahnsinn mit psychologischer Präzision ausleuchtet.

Ein neuer Fall für den sensiblen Hauptkommissar Arne Larsen, den es von Schleswig-Holstein nach Berlin verschlagen hat, an geheimnisvolle und fast vergessene Orte in der Hauptstadt (v.a. in Mitte, Prenzlauer Berg und Berlin-Buch) sowie ins östliche Brandenburg (u.a. Wandlitz, Liepnitzsee, Eberswalde) treibt.

In «Wintertod» führen Spuren in die Vergangenheit, zur Waldsiedlung der DDR:

„Die Waldsiedlung hat mich vor allem wegen der dort herrschenden speziellen Lebensbedingungen und ihrer historischen Bedeutung gereizt. Zu DDR-Zeiten wohnten hier die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros des ZK der SED mit ihren Familien, abgeschirmt in einem sogenannten „inneren Ring“. Der weniger gesicherte äußere Ring war dagegen den Bediensteten vorbehalten. Es gab einen Kindergarten, eine Schwimmhalle, ein Klubhaus – fast eine kleine Stadt, doch die Menschen darin begegneten sich mit großem Misstrauen. Ein normales Miteinander existierte nicht. Ich habe mich gefragt, was wohl aus den Kindern wurde, die hier ohne vernünftige Sozialisierung aufwuchsen. Was, wenn eines von ihnen psychische Defizite entwickelte? In diesem abgeschirmten Areal wuchs der Täter meines Krimis in dem fiktiven Haus Nr. 24 auf und entwickelte psychopatische Tendenzen. Eine Konstellation, die es so noch nicht gab.“

So Thomas Nommensen in einem Interview zur Grundidee für das Haus Nr. 24 in seinem neuen Roman.

Der Autor liest ab dem 04.10.2016 aus «Wintertod»:
04.10.2016 19.30 Uhr in Berlin
07.10.2016 19.30 Uhr in Hamburg
14.10.2016 19.00 Uhr in Panketal
27.10.2016 19.45 Uhr in Leipzig
04.11.2016 20.00 Uhr in Berlin
26.11.2016 19.00 Uhr in Biesenthal
21.04.2017 19.30 Uhr in Berlin

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Melanie Raabe - Die Falle

Die bekannte Romanautorin Linda Conrads, 38, ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa am Starnberger See gesetzt. Trotz ihrer Probleme ist Linda höchst erfolgreich. Dass sie darüber hinaus eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält, wissen nur wenige.
Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden - und den Mörder flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders verfolgt sie bis in ihre Träume. Deshalb ist es ein ungeheurer Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages über ihren Fernseher flimmern sieht. Grund genug für Linda, einen perfiden Plan zu schmieden - sie wird den vermeintlichen Mörder in eine Falle locken. Doch was ist damals in der Tatnacht tatsächlich passiert? (Klappentext)

"Raffiniert und spannend", so lautet der Kommentar der bekannten Autorin Charlotte Link, dem man sich ohne weiteres anschließen kann. Melanie Raabe hat einen tollen und spannenden Thriller geschrieben, der den Leser immer wieder aufs neue überrascht. Bereits die ersten Kapitel des Buches haben mich in ihrem Bann gerissen. Schnell wird klar, dass die Hauptfigur schlimmes erlebt hat und ihr Leben von diesem einen Ereignis gezeichnet ist. Linda Conrads ist so verbissen, den Mörder ihrer Schwester zu finden, dass man zwischenzeitlich Schwierigkeiten hat zu erkennen, ob sie ihre eigene Verbissenheit auf einen falschen Pfad gebracht hat oder ob sie tatsächlich den Mörder gefunden hat.
Der Leser wird geschickt und meines Erachtens auf bewusst von der Autorin in die Irre geführt, was dem Thriller jedoch die nötige Spannung verleiht. Besonders gut gelungen ist, dass Melanie Rabe einen Thriller in den Thriller eingebaut hat. Linda Conrads veröffentlich erstmalig einen Thriller - "Blutsschwestern" - in welchem sie den Tod ihrer Schwester verarbeitet und den Mörder ihrer Schwester in die Falle locken will.

Zusammenfassend handelt es sich um einen gut durchdachten, spannenden, authentischen und absolut lesenswerter Thriller. Man darf schon jetzt gespannt auf den neuen Thriller "Die Wahrheit" sein, welcher am 29.08.2016 erscheint.

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Sebastian Wermke - Die Frau aus Gorlovka

Im Zeitalter des Internets versucht Andreas eine Frau für sich zu finden. Bei den deutschen Frauen hat er jedoch nicht so viel Glück, was vom Autor sehr humorvoll beschrieben wird. So trifft er unter anderem auf eine durchgeknallte Veganerin und auf Dancing Queen Mareike bis ihm sein Freund Jürgen dazu rät, es mal mit osteuropäischen Frauen zu probieren. Nach anfänglicher Skepsis versucht es Andreas und meldet sich auf einem Flirtportal an, auf welchem er die zweifache Mutter Jelena - seine "Lena" - kennenlernt. Die beiden skypen in einem Mix aus englisch, russisch und deutsch bis sie sich endlich das erste mal treffen und Welten gewissermaßen aufeinandertreffen. Die kulturellen Unterschiede werden schnell deutlich. Ein Mann der kocht, den Haushalt macht und seine Frau nicht schlägt ist eine völlig neue Erfahrung für Lena. Anfangs schüchtern, weiß sie diese Eigenschaften an Andreas später sehr zu schätzen - so sehr, dass die beiden beschließen zu heiraten und ein besseres Leben in Deutschland zu führen. Schwierigkeiten bereiten jedoch Lenas Eltern bzw. ihre Mutter, die gegen die Beziehung mit Andreas ist, die bürokratischen Vorgaben zum Vollzug einer Ehe zwischen einem Deutschen und einer Ukrainerin und letztlich der sich zuspitzende Bürgerkrieg, der zu einer unfreiwilligen Trennung zwischen den beiden führt.

Sebastian Wermke hat auf 171 Seiten einen tollen ersten Roman geschrieben. Eine Geschichte mitten aus dem Leben, die sowohl witzig als auch ergreifend ist und sich gut in einem Zug lesen lässt. Anfänglich fand ich das Coverbild nicht passend zu der Geschichte dahinter und hätte mir ein eher fröhliches Bild gewünscht. Nachdem ich das Buch gelesen hatte verstand ich, warum der Autor genau dieses Cover gewählt hat.

Etwas enttäuschend ist das Ende des Buches. Gerne hätte ich erfahren, was aus Lena , Ihrer Familie und aus der Beziehung zu Andreas geworden ist. Es wäre schön gewesen, wenn der Autor bei den Charakteren etwas mehr in die Tiefe gegangen wäre. Insgesamt ist es jedoch ein netter erster Roman.

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Laura Lackmann - Die Punkte nach dem Schlussstrich

Ich wollte Apollo unbedingt lieben. „Ich liebe dich.“ Apollo sagte nichts. Nur ein leises, zartes Männerseufzen, das mich wie ein Soundtrack durch mein ganzes Leben begleiten würde. Plötzlich fing es in meinem Bauch an zu flattern. Keine Schmetterlinge, sondern Motten. Giftige, riesige Motten taumelten kopflos in meinem Magen. Solche, die mit ihrem Urin Löcher in Autolack brennen. Weil ich den Unterschied zwischen Motten und Schmetterlingen im Bauch nicht kannte, hielt ich diese Angst aus Versehen für die echte große Liebe. Für die Berufsfreundin Luzy sind Männer der Mittelpunkt ihrer Welt. Auch wenn es ihr gar nicht passt: Sie kann nicht alleine sein. Also, in einem Raum geht das schon, aber ohne einen Freund im Leben wird es schwierig. Bislang konnte Luzy sich immer retten. Wenn das Beziehungsende nahte, suchte sie sich rechtzeitig den Nächsten. Apollo, Peter, Jonas. Von einem zum anderen wie der Affe im Dschungel. Sie investiert all ihre Energie in den Erhalt der oft nicht einfachen Beziehungen mit Männern, die sich so flüchtig verhalten wie Edelgase. Aber plötzlich geht etwas schief, und Luzys Putzerfisch-Verhalten kann ihre Trennungsangst nicht mehr kaschieren. Sie flippt aus. Im Streit bricht sie Jonas den Arm und muss fortan 100 Meter Abstand zu ihm wahren. Mit Liebeskummer im Herzen und einem Entfernungsmesser in der Hand stellt sie fest, dass sich etwas ändern muss, denn von aufrichtiger Liebe versteht sie nichts (Klappentext).

Auf 320 Seiten kann man über das Leben der Hauptfigur Luzy aus der Ich-Erzählperspektive lesen. Luzy ist 30 Jahre alt und erzählt rückblickend von ihrer Suche nach der Liebe. Die Hälfte ihres bisherigen Lebens verbrachte sie in Beziehungen -sofern man diese so nennen kann. Das Luzy jedoch Probleme zu haben scheint, wird bereits auf den ersten Seiten des Romans klar, als sie ein Ikea-Regal auf Jonas schubst und ihm dabei den Arm bricht. Auch die Beziehungen zu Peter und Apollo waren nicht wirklich besser und so brauchte Luzy fast 15 Jahre um zu erkennen, dass irgendwas mächtig falsch gelaufen ist.

Laura Lackmann hat mit "Die Punkte nach dem Schlussstrich" ihren ersten Roman veröffentlicht. Dem Leser wird von witzig bis fremdschämend alles geboten und das Buch lässt sich einfach lesen. Einen Extrapunkt hat sich der Roman durch die vielen Illustrationen von Laura Tonke verdient, die den Leser garantiert zum Schmunzeln bringen. Insgesamt ein recht unterhaltsames Buch, wobei man sich an der ein oder anderen Stelle wünscht, Luzy näher zukommen... Gut vorstellbar wäre eine Verfilmung des Romans. Dass Laura Lackmann dies kann, hat sie mit der Verfilmung des Bestsellers "Mängelexemplar" von Sarah Kuttner unter Beweis gestellt. Wir jedenfalls dürfen gespannt bleiben, was Laura Lackmann künftig noch bereit hält. Auf einer Skala von 1 bis 10 verdiente 7 Punkte für einen tollen ersten Roman.

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