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Anne Pe - Glowing Seas

Sphärische Klänge eröffnen diese Platte, langsam kommt die Akustikgitarre hinzu und dann schwebt über allem eine elfengleiche Stimme. Ein Streicherarrangement unterstreicht die träumerische Stimmung. Bei dem Stück "Seagull" sieht man förmlich die Möwe über "glühende Meere" davonsegeln. Bereits der erste Song vereint alles was dieses Debutalbum ausmacht. 11 Songs einer Songwriterin deren Lieder in der Tradition der späten 80er und frühen 90er Jahre liegen.
Die Stimmlage und die Kompositionen erinnern manchmal an die ganz frühe Suzanne Vega. Anne Pe kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald, hat dann Ende der 90er für 7 Jahre in Berlin gelebt und ist anschließend aber wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. In Berlin war sie als Straßenmusikerin unterwegs und war Teil der Jam Sessions in den Kneipen und besetzten Häusern von Friedrichshain. Nebenbei absolvierte Sie die Ausbildung zur Musiktherapeutin.
Wenn man Ihre entspannten, träumerischen Songs hört erscheint es nur folgerichtig, dass sie sich nach dem Ausflug in die Großstadtlichter wieder in der entschleunigten, naturbelassenen Landschaft des Schwarzwaldes niedergelassen hat. Das Album nimmt verschiedene Musikrichtungen auf. In "Music" wird in der Tradition der Minimalmusik das gesamte Stück durch eine kurze Folge von Pianoklängen dominiert.
In "Dark Side of the Light" verschmelzen elektronische Klänge mit sirenenhaften Chören, der Akustikgitarre und über allem die glasklare Stimme von Anne Pe. Die Ballade Amanita ist ein einfühlsamer Song diesmal eine Geschichte die Anne Pe in deutscher Sprache erzählt. Alle Songs sind hervorragend produziert und von bestechender Klangqualität. Ein Ohrenschmaus für jeden Hifi-Freak.

Kenny Wayne Shepherd - Lay it on Down

Im zarten Alter von 18 Jahren hat Kenny Wayne Shepherd sein erstes ungestümes Album "Ledbetter Heights" im Jahre 1995 aufgenommen. Inzwischen sind 22 Jahre vergangen und Kenny Wayne legt sein achtes Studioalbum vor. Aus der Zusammenarbeit mit Stephen Stills und Barry Goldberg im Projekt "The Rides" hat Shepherd den Bassisten Kevin Mc Cormick und den Drummer Chris Layton rekrutiert, der auch schon über lange Jahre bei der Blues Legende Stevie Ray Vaughan die Drums bediente.
Im Vergleich zu dem rohen Erstling kommt "Lay it on Down" eher gezähmt daher. Schon das Titelstück ist eine langsame Blues Ballade. Auch bei den weiteren Balladen "Hard Lesson Learned" und "Lousiana Rain" sticht insbesondere der Gesang von Noah Hunt hervor während Shepherd einfühlsame Soli präsentiert. Die schnelle "S(e)aite" zeigt Shepherd im Opener "Baby Got Gone" und in "How Long Can You Go" - zwei energiegeladenen Songs mit Highspeed Gitarre.
Aber auch die funkige Fraktion wird bedient mit einem von Bläsern getragenen, sehr tanzbaren Song "Diamonds & Gold", bei dem sich zeigt, dass Blues nicht nur schwermütig sondern fröhlich swingend sein kann. Auch der nachfolgende Titel "Nothing But the Night" offenbart eine ähnliche Leichtigkeit. Insgesamt ist das Album perfekt produziert, manchmal vermisst man lediglich ein wenig die schmutzigen Ecken und Kanten. Dafür entschädigt aber auf jeden Fall die stilistische Vielfalt der Titel.

Joe Bonamassa - Live At Carnegie Hall–An Acoustic Evening

Manchmal fragt man sich, wie Mr. Bonamassa seine vielfältigen Aktivitäten überhaupt bewältigt. Er hat seit dem Jahr 2000 insgesamt 15 Studioalben veröffentlicht, ist ständig auf Tour und dokumentiert häufig seine Touren durch entsprechende Tonträger. Das hier vorliegende 2 CD / 2 DVD-Set ist inzwischen sein vierzehntes (!!!) offiziell erschienenes Live-Album. Live at Carnegie Hall - "An Acoustic Evening" wurde am 21. und 22.01. 2016 in New York aufgenommen und knüpft an den ebenfalls akustisch eingespielten Auftritt im Vienna Opera House von 2012 an.
Für diesen akustischen Auftritt hat Bonamassa im Vergleich zum Wiener Auftritt sein Ensemble erheblich erweitert. Joe Bonamassa sagt selbst: "Diese Tour gehörte zu den anspruchvollsten Projekten, die ich mir je vorgenommen hatte, immerhin spiele ich mit einer neunköpfigen Akustikband. Doch das Ergebnis ist großartig". Diesem Statement ist kaum etwas hinzuzufügen. Schon in der Eingangsequenz brilliert Reese Wynans am Piano mit den Anfangstönen von Jethro Tull's "Locomotive Breath" um dann in das Stück "This Train" einzusteigen.
Die Piano-Begleitung von Wynans setzt während des gesamten Konzertes den Kontrapunkt zu dem natürlich exzellenten Gitarrenspiel von Bonamassa. Ferner ist Eric Bazilian, der Kopf von den Hooters, mit von der Partie und spielt Mandoline, Banjo, Drehleier, Gitarre, Saxophon und Flöte, während Bonamassas langjähriger Begleiter Anton Fig einfühlsam das Schlagzeug bedient. Außerdem hat Bonamassa den ägyptischen Percussionisten Hossam Ramsey (der auch an dem legendären Unledded-Album von Page & Plant beteiligt war) verpflichtet und die chinesiche Cellistin und Erhuistin Tina Guo in die Band geholt sowie diese durch 3 australische Sänger-/innen vervollständigt.
Aus dieser internationalen Besetzung ergibt sich schon die Ausrichtung dieses Konzertabends, bei dem die Songs über das reine Blues-Arrangement hinausgehen und immer wieder Weltmusik- und Folkeinflüsse die Songs bereichern. Gerade in dieser Erweiterung des Blues liegt der Reiz dieser akustischen Live-Aufnahme. Die Stücke brillieren in völlig neuem Gewand. Da endet das Stück "Song of Yesterday" in einer Percussion-Tirade und Cellistin Tina Guo brilliert bei "Wake up Dreaming". Der Multi-Instrumentalist Eric Bazilian sorgt für die Americana-/Folk Einsprengsel während des gesamten Auftritts.
Der Sound der legendären New Yorker Carnegie Hall ist sowohl auf CD als auch auf DVD perfekt eingefangen. Insbesondere den Gitarristen sei die DVD ans Herz gelegt; hier kann man eindrucksvoll beobachten, wie spielerisch Herr Bonamassa über die Saiten fegt. Aber auch sonst wird die weltmusikalische Ausrichtung des Abends durch die Bilder unterstrichen - nicht zuletzt durch die "Gewänder" der australischen Gesangsgruppe. Das DVD-Set enthält als Bonus DVD eine 35-minütige Dokumentation rund um die beiden Shows, eine Fotogalerie und eine alternative Version des Titels "Woke up Dreaming".
Insgesamt ist dieser Live-Mitschnitt sicherlich nicht nur für eingefleischte Bonamassa Fans interessant sondern auch für diejenigen, die das herkömmliche Blues-Schema für zu eingefahren halten. Hier erhalten sie ein Wechselbad der Gefühle.

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