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Konzertbericht Monster Truck und Deep Purple - Hamburg 30.05.2017

Newcomer Retro Rocker "Monster Truck" und Hardrock Veteranen "Deep Purple" in der Barclaycard Arena, Hamburg 30.05.2017. Am Dienstagabend, den 30.05.2017, versammelte sich die Hard-Rock Gemeinde in der Arena in Hamburg. Rund 5.500 Fans hatten die Arena gut gefüllt.

Pünktlich um 20.00 Uhr stürmen die kanadischen Musikern "Monster Truck" auf die Bühne. Während der Drummer der Hamburger Location angepasst im "St. Pauli-Totenkopfshirt" hinter den Drums seinen Platz einnimmt, prügelt der Gitarrist Jeremy Widerman die ersten Riffs von "Old Train" vom ersten Album "Furiosity" (2013) mit nacktem Oberkörper in das Publikum. Genauso energiegeladen kommen die nächsten beiden Songs vom aktuellen Album "Sittin' Heavy" von der Bühne.

Die markige Stimme von Bassist Jon Harvey wird bei "The Enforcer" vom Chorgesang der anderen Bandmitglieder begleitet. Ausgedehnte Gitarrensoli treiben die Songs voran. Dass die Band auch ruhige Songs gut rüberbringt beweisen sie mit dem langsamen Bluesrock-Titel "For the Sun". Im letzten und 8. Song des Sets wird mit "The Lion" der eingängige Riff-Rock zelebriert. Auch wenn "Monster Truck" mit Ihrem Retro Rock nicht wie die nachfolgenden "Deep Purple" Musikgeschichte schreiben werden, sondern eher Elemente der 70er Hard-und Bluesrock solide mischen und daraus knackige Songs machen, hat dieser Auftritt richtig Spaß gemacht und war mehr als ein bloßes Vorprogramm.

Dann kündigt sich der Auftritt von Deep Purple an. Die Fans hoffen natürlich, dass der Auftritt nicht so unterkühlt sein wird wie das auf die Riesenleinwand hinter der Bühne projezierte Bild. Dort sind die Köpfe der Band in Reminiszens zum" Mount Rushmore"-Cover von "Deep Purple in Rock" nun in einen Gletscher gemeißelt. Für diese Besorgnis gibt es aber keinen Grund. Die Band steigt gleich mit "Time for Bedlam" einem neuen Song des aktuellen 20. Studioalbums "Infinite" ein. Dieser Song vereinigt noch einmal all das was diese Band hat groß werden lassen - grandiose Melodieführung - das Wechselspiel von Gitarrensoli und Keyboard / Hammond Orgel auf einem Rhythmusteppich von knüppelnden Drums und virtuosem Bass.  

Die Tour steht unter dem Motto 'Infinite' - The Long Goodbye Tour - und ist damit auch bei der Songauswahl eine Werkschau. Mit den 3 folgenden Stücken "Fireball" "Bloodsucker" und "Strange kind of woman" wird auf die wohl erfolgreichste Zeit der Band Anfang der 70er zurückgegangen. Gerade bei "Fireball" und "Bloodsucker" nimmt die Band richtig Fahrt auf. Sämtliche Songs haben ihre Ausdruckskraft nicht verloren. Die Gitarrensoli von Steve Morse werden von Keyboard-Orgien abgelöst und es entwickelt sich ein Duell zwischen Sänger Ian Gillan und Steve. Es folgen diverse Stücke von den neueren Alben, die die Band etwas geruhsamer angeht. Bei dem ausgedehnten Keyboard-Solo beweist Don Airey noch einmal , dass er die würdige Nachfolge von Jon Lord angetreten hat.

Hier wechseln klassische Einsprengsel mit "Auf der Reeperbahn nachts..." um dann in voluminösen Hammond-Kaskaden zu enden. Mit "Perfect Strangers" geht es dann in die rasante Endphase des Konzerts. Mit dieser Hymne hatte die Band mit der wechselvollen Geschichte eine neue Hochphase eingeleitet als sich 1985 die legendäre, sogenannte MK II Besetzung erneut formierte. Bei den letzten beiden Stücken kommen dann die Fans der ersten Stunde wieder auf Ihre Kosten. Mit "Space Truckin' und dem legendären "Smoke on the Water" beweisen Deep Purple Ihre Durchschlagskraft und reißen das Publikum förmlich mit.

In der Zugabe werden die Stücke "Hush" und die damalige Single "Black Night" durch ein Zwiegespräch zwischen Bassist Glover und Drummer Paice verbunden, bei dem Glovers virtuose Bassläufe vom hämmernden Schlagzeug des Ian Paice unterlegt werden. Am Ende sind die Fans hochzufrieden und hoffen, dass es sich bei dem Auftritt tatsächlich um eine "Long Goodbye" und nicht um ein "Last Goodbye" für Hamburg gehandelt hat. Die Vitalität der Band spricht jedenfalls für ein Wiedersehen.

Gov't Mule - Live in Hamburg 20.05.2016

Es ist kurz nach 21.OO Uhr und es herrscht erwartungsvolle Hochstimmung in der ausverkauften Fabrik. Welche Songs werden von der Band heute wohl dargeboten? Über der Bühne haben Fans eine rot-gelb-grüne Flagge mit dem Aufdruck "Nobody does War Pigs like Gov't Mule" an die Galerie geheftet. Entgegen dem sonstigen Rockbusiness ist die Band bekannt dafür, ihre Tourneen nicht in einem minutiös geplanten, gleichen Set abzuspulen, sondern die Setlist variiert von Gig zu Gig - "War Pigs" wurde einen Tag zuvor in Berlin gespielt.

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Dann betritt Warren Haynes mit seiner Band die Bühne und steigt mit Railroad Boy, einem fast balladenhaften Song mit folkigen Wurzeln, geprägt durch sein Bottleneck-Gitarrenspiel, ein. Es folgen mit Mule und Rocking Horse Songs der ersten Stunde, die sowohl seine genialen Gitarrensoli als auch die Improvisationen der Mitstreiter in den Mittelpunkt stellen. Jorgen Carlsson steuert virtuose Bassläufe bei, während Danny Louis an Keyboards und Hammond Orgel die Gitarrensoli von Warren aufnimmt und wieder zurückgibt. Matt Abts am Schlagzeug bildet die solide Grundlage für die ausschweifenden Songs. Trotz der wenigen Worte, die Haynes an das Publikum richtet, springt die Spielfreude über - jedes Solo wird ausgiebig gefeiert. Der Cover Song "The Shape I'm in" von The Band wird jazzig interpretiert, da kommt dann auch Danny Louis mit der Posaune zum Einsatz.

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Dass die Band alle Spielarten des Rock vom Rockpop (Norwegian Wood) bis zur Jazz-Fusion mühelos beherrscht zeigen auch Ausflüge in Weather Report's "Birdland" oder "Eternity's Breath" vom Mahavishnu Orchestra. Den Höhepunkt des ersten Sets bildet sicherlich der leidenschaftlich in komplexen Songstrukturen vorgetragene Cover "Soulshine" von Warren's Stammband, den Allman Brothers. Nach der Pause beginnt das zweite Set mit einem Bassgewitter, das den Song Monday Mourning Meltdown einleitet. Die Leidenschaft der Band für Cover Songs zeigt sich anschließend bei Led Zeppelin's "D'yer Maker" und Joe South's "Hush". Die Fabrik kocht förmlich. John Bonham hat sicherlich von seiner Wolke gelächelt, als Matt Abts in seinem Schlagzeug-Solo zum Ende die Felle mit den Händen traktiert - das hätte dem Led Zep-Drummer gefallen.
Nach 2 1/2 Stunden intensivem Jam Rock verlässt die Band die Bühne, um dann die 3 Stücke der Zugabe mit "When Doves Cry" von Prince zu eröffnen. Am Ende verlassen die Fans nach knapp 3 Stunden erstklassigen Rockimprovisationen die Fabrik mit einem "Grinning on their Face". Nur bei den Fans von Black Sabbath's "War Pigs" war das Grinsen vielleicht ein bisschen verhalten.

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