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Covenant mit neuem Album in den Startlöchern

Nach einer Phase der Desorientierung und Umstrukturierung bei Covenant, finden die Mannen um Eskil Simonsson jetzt zu neuer Größer zurück. Nach dem Weggang von Daniel Myer (haujobb) schien die Band zerrissen, aber das neuen gesamtschwedische Lineup aus Eskil Simonsson (Vocals, Composition), Daniel Jonasson (Keys, Samplers) du Andreas Catjar (Keys, Guitar), sowie Alt-Covenant Joakim Montelius (Lyrics, Patterns) hat sich erstaunlich schnell in einen Arbeitsmodus zurückgefunden, und glänzt mit alten und neuen Stärken. Der Vorbote, die Single Last Dance hat sich schon seit einem ganzen Monat auf der Pole Position der deutschen Alternative Charts festgebissen, aber wird sicherlich nicht der „Last Dance“ auf „Leaving Babylon“ bleiben. Im Gegenteil: der Opener „Prime Movers“, das opulente „Ignorance & Bliss“ oder das entspannt groovende „For Our Time“ werden sicherlich ebenfalls die Tanzflächen erreichen. Aber Leaving Babylon hat viel mehr zu bieten, als nur simple Clubsongs.
So sind es gerade die experimentelleren Nummern, die aufhorchen lassen: Die spärlichen Gitarrenakkorde auf „I Walk Slow“, das Cembalo im Intro bei „Thy Kingdom Come“ oder das Piano bei der Schlussballade „Not To Be Here“ zeigen, dass sich Covenant auch in Sachen Arrangements weiterentwickelt haben, und mit jedem Album ein wenig weiter an ihrem eigenen Elektroniker-Denkmal zimmern, und auf Leaving Babylon die richtige Balance aus Eingängigkeit und Expermentierfreude gefunden haben.
„Es herrscht ein Krieg der Besitzlosen gegen das Eigentum, der Industrie gegen den Ackerbau, des Beweglichen gegen das Stabile, des krassen Materialismus gegen die von Gott eingeführte Ordnung“
Dies konstatierte schon 1810 in Preußen der Adelige Friedrich August Willhelm von Marwitz die Frühausläufer der industriellen Revolution. Dass diese Entwicklung jedoch schon viel früher angefangen hat, zeigen Covenant mit ihrer „Babylon Timeline“ im Booklet. Ein Krieg um Information, um die Ordnung des Wissens setzte historisch schon viel früher ein und ist doch im Zeitalter von „Big Data“ und „Prism“ in eine neue Stufe eingetreten. Und so beschäftigt sich das Album auch mit der allgegenwärtigen Beschleunigung von Kommunikation, die unsere Gesellschaft im Griff hält. „Signal to Noise“ heißt das Phänomen, wenn Kommunikation aus dem Signal ein Rauschen macht, in dem die eigentliche Information untergeht: „The floor collapses as we dance.“
Dass das spannende Thema von „Leaving Babylon“ neben der gelungenen Musik eine kongeniale Realisation im Artwork von Tobias Green findet, macht aus Leaving Babylon nicht nur ein gelungenes Album, dass die Karriere von Covenant fortschreibt, sondern ein gelungenes Gesamtkunstwerk.

Neues Massiv In Mensch Album erscheint

Das mittlerweile siebte Studioalbum von „Massiv in Mensch“, “The Cortex Zero Effect”, steht in den Startlöchern. Veröffentlicht wird das Werk, zusammen mit der dritten Ausgabe von „Hands on Massiv – The Remixes“, durch das ungarische Label „Advoxya Records“.

Mit „The Cortex Zero Effect“ knüpfen „Massiv in Mensch“ thematisch nahtlos an ihre zuletzt veröffentlichte Single „The way to oblivion“ an. Wie schon auf dem Vorgängeralbum „Niemand weiß, was die Zukunft bringt“ spricht der durch Funk und Fernsehen bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Reiner Schöne das Intro („The Effect“). Die Streicher-Arrangements stammen im gleichen Track von Bodo Kommnick und Ivonne Fechner („Seitenstrasse“). Letztere ist vielen noch von der „Deine Lakaien - 20 Years of Electronic Avantgarde“-Tour bekannt.

Im Gegensatz zu den verspielt-experimentellen Vorgängeralben wirken die neuen Songs kompakter und songorientierter. Natürlich gepaart mit der für „Massiv in Mensch“ bekannten Energie und Clubtauglichkeit. Doch auch sehr melodische und melancholische Momente kommen auf „The Cortex Zero Effect“ nicht zu kurz. Ein Beispiel hierfür ist der Song „Vajont“, benannt nach dem gleichnamigen Ort und dem hier stattgefundenen Talsperrenunglück im Oktober 1963.
Noch konsequenter als zuvor werden mittlerweile auch akustische Instrumente (Schlagzeug, Bass, Gitarre) additiv eingesetzt. Ein Beispiel hierfür ist sicherlich die Coverversion des New Wave-Klassikers „Hello Hello“ von Lars Falk. Die einzelnen Titel wechseln zwischen Electro, EBM, Pop und Techno, ja sogar Dubstep-Elemente sind heraus zu hören („Der Drops ist gelutscht“). Hohe Tanzbarkeit bieten auch die Titel „Tanzmusik“ oder „Cortex Zero“.

Gesanglich bietet das Album eine hohe Vielfältigkeit, wie man es von „Massiv in Mensch“ gewohnt ist. Neben den Sängern Daniel Logemann, Anna Straatmann und Tomas Appelhoff konnte man „Endanger“-Sänger Rouven Walterowicz für die Electro-Nummer „Scharlatan“ gewinnen.
Natürlich sind auch die erfolgreichen DAC-Singles „Pop Corn“, und „The way to oblivion“ auf dem Album vertreten.

„The Cortex Zero Effect“ ist ein gutes Beispiel für den fortgeschrittenen Reifeprozess der Band. Live werden die Songs mittlerweile durch die erfahrenen Bühnen- und Studiomusiker Jonathan Millat (Gitarre), Marwin Voß (Bass) und Muck Kemmereit (Schlagzeug) umgesetzt.

Das Album und “Hands on Massiv Vol. III“ sind einzeln erhältlich. Für Fans gibt es zudem eine aufwändig gestaltete Box, die darüber hinaus noch eine streng limitierte 7- inch-Vinyl von „Dark Rave“ (inklusive „Tyske Ludder“-Remix), T-Shirt und Sticker enthält.

Sandra Lüpkes "Götterfall"

Ein spannender Kriminalroman, der seinen Anfang in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover hat. LKA Ermittlerin Wencke Tydmers nimmt für ihre Chefin, welche durch einen Wohnungsbrand verhindert ist, ein Symposium in Island wahr. Doch schon kurz danach bekommt die Kommissarin und Mutter eines Sohnes merkwürdige Briefe, die auf einen längst in Vergessenheit geratenen Vorfall aus ihrer Anfangszeit als Polizistin abstellen. Damals wurde der Sohn eines berühmten Politikers entführt und ermordet und ein vermeintlicher Täter verhaftet und eingesperrt. Zu Unrecht, wie dieser immer wieder behauptete. Nun ist der scheinbare Täter wieder auf freiem Fuss.
Da der Brief an Wenke Tydmers kein Einzelfall bleibt und sie diese aufhellenden Briefinformationen letztlich auch bis nach Island verfolgen, entspinnt sich ein spannender und kurzweiliger Kriminalfall. In diesen ist nicht nur die Kommissarin im Mittelpunkt, sondern auch noch ihre beiden ehemaligen Kolleginnen, von denen die eine damals die Freundin des vermeintlichen Mörders war und die andere mittlerweile die zweite Ehefrau des Politikers, dessen Sohn vor knapp 20 Jahren ermordet worden ist.
Und während des Aufenthaltes auf Island kommen immer mehr Ungereimtheiten in der damaligen Sache zutage, so dass Wenke Tydmers vor der kniffligen und nicht immer gefahrlosen Aufklärung eines längst gelöst geglaubten neuen Falles steht. Und bei dieser Aufklärung muss sie nicht nur der Lava eines rumorenden Vulkans entkommen.
Sandra Lüpkes hat mit "Götterfall" einen hervorragenden Krimi verfasst, der sich sowohl aufgrund der Wortwahl und der Schilderungen sehr schlank und kurzweilig konsumieren lässt. Und auch wenn das Titelbild des Buches nicht unbedingt darauf hindeutet, so hält "Götterfall" jede Menge spannender Unterhaltung bereit. Wer einmal mit dem Lesen des Buches anfängt, der kann es erst nach dem Lesen der letzten Seite wieder aus der Hand legen.

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