Menu
A+ A A-

Solar Fake "Reasons To Kill"

Aller guten Dinge sind drei! Und obwohl die ersten beiden Alben des Soloprojektes von ex Dreadful Shadows und Zeraphine Frontmann Sven Friedrich auch schon richtig gut waren, so setzt das neue Werk seinem bisherigen Schaffen die Krone auf. Als Sven Friedrich Solar Fake ins Leben rief wurde er anfangs misstrauisch beäugt und man befürchtete, dass der Gothic Stempel zu stark auf ihm lastete, als dass er sich von diesen lösen und befreienden Elektrosound erschaffen könne. Doch weit gefehlt. Bereits mit seinem Erstlingswerk "Broken Grid" machte er mehr als eindrucksvoll mit einer Mischung aus Synthpop, Elektro- und Futurepop auf sich aufmerksam. Und diese Aufmerksamkeit etablierte er dann in wahre Anerkennung, denn das zweite Solar Fake Album "Frontiers" ließ im Jahr 2011 so gut wie gar keine Wünsche übrig. Einmal mehr zeigte Sven Friedrich in Zusammenarbeit mit seinem Solar Fake Live-Mitglied Frank Arnold, dass auch im sechsten Jahr seines Soloprojektes weiterhin jede Menge Energie und Lust auf pure, knallende und melodiöse Elektrosounds in ihm steckt.
"Reasons To Kill" ist ein Album, dass in tanzbarer Hinsicht keine elektronischen Wünsche offen lässt. Mal hämmernde Beats, mal ein poppiges Grundgerüst, das mit harmonischen Melodienbögen überzogen ist und dann auch durchaus mal eine elektronisch kühl klingende Ballade wie "The Pages" als Abschluss des Albums.
Und auch mit dem Gesang variiert Sven Friedrich dieses Mal etwas mehr als es gefühlt bei den Solar Fake Vorgängeralben der Fall gewesen ist. Mal bestimmt, dann fordernd und die Beats führend, dann aber auch mal stimmverzerrend und geschrien á la Suicide Commando oder :Wumpscut: und zu guter Letzt dann aber auch wieder einfühlsam und sanft. Und so bietet "Reasons To Kill" jede Menge Abwechslungsreichtum. Elf Titel, die die Herzen der Freunde gut produzierter und tanzbarer elektronischer Musik einfach nur höher schlagen lassen. Ein verdammt starkes Album!

Pet "Imitation Of Life"

Bevor hier die Musik der neuen Pet CD "Imitation Of Life" besprochen wird, muss auf die Verpackung der limitierten CD Edition des Albums eingegangen werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Dreistigkeit, eine limitierte CD Edition eines Albums anzukündigen und dann ein 0815-Digipak, ohne Booklet und lediglich mit ein paar spärlichen Informationen sowie einer gebrannten CD zu veröffentlichen. Jeder, der sich diese Edition also kauft, dürfte sich maßlos darüber ärgern. Wenn das alles an Innovation ist, die man in eine nondigitale Veröffentlichung einbringen will, dann sollte man es doch am besten gleich sein lassen und lediglich eine digitale Version eines Albums in die Stores bringen.
Die Köpfe hinter Pet sind Mastermind Andre Abshagen und Monika Martin, den erweiterten Bandkreis komplettieren dann noch Dodo NKishi, Eric Voss Stefania Vacca und Julie Miess. Das vorliegende Album ist das dritte in der seit 2004 andauernden Bandgeschichte.
Musikalisch ist "Imitation Of Life" eine Mischung aus blechernem Britpop mit schrabbeligen Rockelementen. Es blubbert mal hier, schrammelt mal dort und irgendwie klingt das Gesamtgemisch etwas anstrengend. Gesanglich recht oberflächlich hinterlassen die Songs des Albums keinen wirklich bleibenden Eindruck. Zu den musikalischen Klangteppichen kommen Gesangsparts, die häufig unglücklich klingen, weil man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der (die) die Sänger(in) die Töne nicht immer richtig treffen und auch die Harmonie zwischen Melodien und Grundstrukturen der Songs und dem Gesang ist häufiger nicht gegeben. "Imitation Of Life" ist ein Album, das inhaltlich zu oberflächlich und in Teilbereichen unstimmig ist, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sicherlich mag die Veröffentlichung in speziellen Randbereichen der Musikszene ihre Gönner finden. Dem normalen Musikfreund aber wird sie sich nicht wirklich annähern und diesen für sich begeistern können.

Echofuchs "Nur nicht still sein"

Der Titel des ersten Albums der Essener Band Echofuchs lautet zwar "Nur nicht still sein", doch der Name ist mehr Wunschdenken und Duchhalteparole, denn wirklich Programm. Musikalisch bietet die Band eine Mischung aus oftmals etwas blechern klingendem Indie-Rock und NDW-Pop. Etwas Geschrammel hier, etwas analoge Nostalgie-Elektronik da. Bei manchen Titeln hat man das Gefühl, das aus Alexander Felder, David Wilson, Robin Sharma und Timo Gayk bestehende Quartett hätte eine alte Bontempi-Klangorgel aus den 80er Jahren wieder ausgegraben, mit der seinerzeit die Kinder problemlos für Schmerzen in den Ohren ihrer Eltern sorgten. Und ebensolche Klangschmerzen verursachen Echofuchs bei diversen musikalischen Unterlegungen ihrer Titel auf "Nur nicht still sein".
Wenn man derartige musikalische Herangehensweisen irgendwie zu beschreiben versucht, dann muss man sich Attitüden wie "freiheitliches Denken", "Interpretationsspielraum" oder auch "bewusstes Anderssein" auf die Fahne schreiben. Es fällt schwer, in den insgesamt zwölf Titeln des Albums eine Art Konzept oder gar einen Bezug zueinander auszumachen. Das mag vielleicht auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Band die Songs für ihr Debütalbum aus einem Pool von über 60 Titeln ausgewählt hat. Nicht auszudenken, wie dann wohl viele der anderen Titel geklungen haben dürften, die es nicht auf das Album geschafft haben.
Und da bei Echofuchs, laut eigenen Angaben, Musik und Text gleichberechtigt nebeneinander stehen, gibt es hier dann auch einen Gesang, der oftmals nicht auf den Punkt, sondern im besten Falle oberflächlich, ohne Höhen und Tiefen und zudem oft auch neben den Tönen gelegen ist. Man gewinnt an vielen Stellen den Eindruck, Echofuchs Sänger Robin Sharmas Vorbild muss Rio Reiser gewesen sein. Das leider viel zu früh verstorbene Kultidol konnte auch alles, nur nicht wirklich gut singen. Aber wenn man den Gesang bei Echofuchs hört, dann kommen zwangsläufig Gedanken an den früheren Frontmann der Ton Steine Scherben auf.
Um es abzuschließen bleibt zu sagen, dass dieses Album nach subjektivem Empfinden keine Zeichen setzt. Man schrammelt und sprechgesangt sich so inhaltlich dahin. Manchmal mit durchaus guten textlichen Ansätzen, die wie beim Titeltrack "Nur nicht still sein" sogar sozialkritische Aussagen zum Inhalt haben. Aber im Großen und Ganzen verpufft das Album und wird spätestens nach dem fünften Track zu einer wahren Herausforderung. Ich bin an dieser Herausforderung leider komplett gescheitert.

Diesen RSS-Feed abonnieren