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Crischa "Das Leben ist anders"

Crischa bringt vielleicht die besten Voraussetzungen mit, um mit einem Debütalbum in der heutigen Zeit überdurchschnittliche Aufmerksamkeit zu bekommen und dabei sowohl optisch und musikalisch positiv aus der schier endlosen Reihe von Produktionen und Veröffentlichungen der Gegenwart zu fallen.
Der Reutlinger Sänger hat weder Kosten noch Mühen für "Das Leben ist anders" gescheut. Und so hat er sich zusammen mit seinem Manager Attila Hermann im Naidoo / Herberger Studio in Mannheim zurückgezogen und dort die insgesamt 14 Titel für sein Erstlingswerk in Eigenregie eingespielt und produziert. Und damit auf die eigene Arbeit auch noch einmal ein fachmännischer Blick geworfen und diese gegebenenfalls an den richtigen Stellen korrigiert und dadurch ein ein bisschen mehr optimiert wird, hat Crischa sich für das finale Mastering des Albums noch Carlos Peron mit ins Boot geholt.
Und "Das Leben ist anders"ist ein wirklich sehr gutes deutschsprachiges Pop/Rock Album geworden. Locker leicht, an manchen Stellen bewusst übertrieben selbstgefällig, aber stets mit einem Zwinkern im Auge zeigt sich Crischa musikalisch bewegt und inhaltlich metaphorisch verliebt, vielleicht manchmal ein wenig zu sehr in sich selbst. Aber ein gesundes Selbstbewusstsein hat ja bekanntlich noch Keinem geschadet. Crischas Stimme hat ganz leichte raue Ansätze und erinnert in diversen Stellen an Herbert Grönemeyer. Und auch in musikalischer Hinsicht muss man feststellen, dass "Das Leben ist anders" in Hinblick auf die Arrangements oft an die alten Alben des Ausnahmekünstlers erinnert.
Crischa dehnt die musikalische Umsetzung seiner Songs auf unterschiedlichste Instrumente aus und so kommen auf dem Album Bläser, Gitarren, Keyboards oder auch Streicher zum Einsatz. Jedes mal mit einer anderen Gewichtung und stets so, dass die Titel damit bestens umgesetzt werden. Der Gesang passt zur Musik und die Texte sind inhaltlich leicht und derart, dass man sich in diversen Passagen immer mal wieder wiederfinden kann.
Und so machen Songs wie "Sie ist Sommer", "Wann war gestern", "Meine Muse" oder auch "Wenn das wirklich alles ist" auf verschiedenste Weise Spaß, regen in Nuancen aber auch zum Nachdenken an. Denn so sehr man auch zwischendurch immer mal wieder das in den Titeln und Texten verborgene Augenzwinkern erkennen kann, ein Funken Wahrheit und Bedacht steckt dann doch in jedem Titel.
Mit diesem Album steht Crischa das Tor weit offen, um die neue Generation deutschsprachiger Künstler, einzuläuten. Was Herbert Grönemeyer Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre schaffte, das kann Crischa im Jahr 2014 schaffen. Einfach anders sein, einfach Spaß machen, einfach Erfolg haben!

Lyronian "Crises"

Das zweite Lyronian Album "Crises" löst zwigespaltene Gefühle aus. Einerseits ist das Album musikalisch lupenrein und an diversen Stellen zu glatt produziert. Man bekommt hier Elektropop pur. Schöne Melodien, Sounds, die man definitiv mit der schwarzen Elektroszene in Verbindung bringt. Diese klingen zwar nicht neu, aber in der Art ihrer Umsetzung dennoch wirklich voll und gut. Doch so gut die musikalischen Klangteppiche sind, so durchwachsen sind die Wahrnehmungen des Gesangs von Lyronian Sänger Alex Kern. Das Album beinhaltet sowohl deutsch- als auch englischsprachige Songs und nach dem Durchhören der Scheibe steht fest, dass dem Frontmann die Umsetzung der deutschen Texte wesentlich besser liegt, als das bei den englischen der Fall ist. Der Stimme fehlt es des Öfteren an Tiefe und Volumen. Töne können nicht so gehalten werden, wie die Musik das eigentlich fordert. Und auch die Aussprache ist des Öfteren recht hart und klingt dadurch dann auf die Harmonien der Songs treffend etwas fremdkörperhaft.
Das Album, das in der Erstauflage als schönes Digipak mit zwei zusätzlichen Remixen des Albumtracks "Silver Arrow" erscheint, fängt mit "Auf Wiedersehen", dem vielleicht stärksten Titel des gesamten Werkes eindrucks- und kraftvoll an. Doch bereits bei "Long Live The King", "Silver Arrow", "Love Is Rare" oder auch "At Night" werden die zuvor angesprochenen stimmlichen Einschränkungen an diversen Stellen leider etwas zu intensiv deutlich. Das schmälert den Genuss der Songs dann doch auffällig.
Und so bleibt "Crises" ein Album, das sicherlich die Freunde der clubtauglischen Elektrosounds erfreuen, aber ansonsten recht unauffällig im Wust der vielen gegenwärtigen Veröffentlichungen verschwinden wird. Es bleiben auch einfach zu wenig Songs im Ohr. Und gerade dadurch wird der so wichtige Wiedererkennungseffekt dann leider doch deutlich geschmälert.

Yiruma "Blind Film"

Yiruma begeistert auf seinem neuen Album "Blind Film", dass mit einigen Monaten Verspätung nun auch in Europa erhältlich ist, durch einfühlsame Klavierklänge. Entspannende Phasen, in Teilen von Streichinstrumenten und Celli begleitet lassen "Blind Film" wunderbar fließen und entfernen den Hörer vom Stress des Alltags hin in eine spannungsfreie Umgebung, in der man sich einfach nur fallen lassen und ganz zu sich selbst kommen kann.
"Blind Film" ist einerzählendes Kunstwerk, das ohne Bilder auskommt. Die Musik lässt zarte Emotionen zu Bildern werden, erzählt Geschichten, die keine Grenzen haben, weil sie unmittelbar beim Hören der Klänge im Kopf des Hörers entstehen. Ein faszinierendes Stück Klassik, dass man zu jeder Jahreszeit immer wieder hören und in diesem man stets aufs Neue versinken kann. So muss sich ein geniales Klassikalbum heute anhören. Faszination made by Yiruma.

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