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Zarah-Wilde Jahre – Staffel 1

Die neue vom ZDF produzierte Serie „Zarah-Wilde Jahre“ kann man auf gewisse Weise als das feminine Gegenstück zur ProSieben Erfolgsserie „Stromberg“ betrachten. Hielt bei „Stromberg“ der Macho-Abteilungsleiter einer Versicherungsschadenabteilung seine Leute chauvinistisch auf Trab, so gibt sich bei „Zarah-Wilde Jahre“ dieses Mal eine Frauenrechtlerin und somit Emanzipationsvorreiterin bei einem Zeitungsverlag die Ehre.
Die klischeehaft sehr gut in Szene gesetzte Männerdomäne „Zeitung“ wird sinnbildlich in ihren Grundfesten erschüttert, als Zarah Wolf von einem renommierten Verleger das Angebot bekommt, in dessen Zeitungsredaktion einen verantwortungsvollen Posten in der Redaktion des erfolgreichen Magazins „Relevant“ zu bekleiden. Von den Möglichkeiten dieses Angebots mehr als beeindruckt und zudem ihre Chance für die vermehrte Durchsetzung von Frauenrechten auf breiter medialer Ebene witternd, nimmt Zarah Wolf, sehr gut, schnippisch und wortgewandt von Claudia Eisinger in Szene gesetzt, den Job an. Und ab diesem Zeitpunkt ist der Zeitungsredaktion der „Relevant“ nichts mehr so, wie es war.
Die Serie spielt in den 1970er Jahren, also der Zeit, in der die Bewegung für Emanzipation und damit verbunden Frauenrechte, so richtig in Fahrt gekommen ist. Es geht um Mitbestimmung, den § 218 BGB, um Werteverständnis und Chauvinismus. Die Serie ist mit sehr guten Schauspielern besetzt, die das Flair der damaligen Zeit – Hamburg, im Jahr 1973 – sehr gut in sich aufgenommen und teilweise ohnehin damals selbst miterlebt haben. So gelingt mit Schauspielern wie Torben Liebknecht, Jörn Hentschel, Ole Puppe, oder auch Leon Ulrich, der auch schon bei „Stromberg“ mitgespielt hat, eine sehr authentische Umsetzung der Themen, stets mit einem Comedy haften Augenzwinkern, aber dennoch mit unterschwelliger Nachhaltigkeit und einem das Format nicht überfordernden Tiefgang.
Die erste Staffel der Serie umfasst sechs Folgen und führt den Zuschauer gut in das Geschehen und die Besonderheiten der einzelnen Charaktere ein. Ohne mit zu vielen Informationen überfrachtet zu werden, wird in den einzelnen Folgen gut herausgearbeitet, wie das Redaktionsleben vor und nach Zarah Wolf gewesen ist. Die eigentliche Männerdomain, die auch immer wieder mit chauvinistischen Anmerkungen und Handlungen vorherrschte, erfährt eine fulminant feminine Wendung. Der Männer-Clan wird mit den Waffen der Frauen des Öfteren in seine Schranken gewiesen und so bietet diese Auftaktstaffel von „Zarah-Wilde Jahre“ sehr feine Unterhaltung mit einem Kernthema, in dem sich auch heute noch die Vielzahl der Zuschauer widerfinden dürfte.
Neben den interessanten Bildeinstellungen und Kameraperspektiven, mit denen das Produktionsteam der Serie das Geschehen in und rund um die Zeitungsredaktion und das private Umfeld der Hauptperson einfängt, weiß auch der Soundtrack zu begeistern. Denn man hat zur Untermalung diverser Szenen schöne und zeitlose Musik aus den 1970er Jahren beigezogen. So gibt es verträumte Songs von The Mamas & The Papas, The Doors, The Rolling Stones, Aretha Franklin oder auch Simon & Garfunkel zu genießen.
Das Bild liegt in guter Qualität mit einer angenehmen Farbtiefe und einem sehr ausgewogenen Kontrast vor. Die Art der Umsetzung ist farblich ein klein wenig dezenter gehalten, um den Geist der damaligen Zeit besser wiedergeben zu können. Und auch der in Dolby Digital 2.0 vorliegende Ton ist klar und jederzeit gut verständlich, ohne es an einer angenehmen räumlichen Tiefe fehlen zu lassen.
Und so ist dem ZDF mit der ersten Staffel von „Zarah-Wilde Jahre“ ein sehr guter Aufschlag gelungen, auf dessen Fortsetzung man sich schon jetzt freuen kann – und die zudem ein Thema beleuchtet, dass man im Kern zwar gerne in der Vergangenheit ansiedelt, das aber auch heute leider noch immer mal wieder im Fokus steht.

Letzte Änderung amSamstag, 14 April 2018 14:29
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