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10 Years - (How To Live) As Ghosts

Die alternative Metal-Band hat mit "(how to live) AS GHOSTS " ihr achtes Album eingespielt, es ist gleichzeitig das Debut bei ihrem neuen Label Mascot Records darstellt. Die 11 Titel des Albums präsentiert die Band in der Besetzung Jesse Hasek (vocals), Brian Vodinh (guitar + drums), Matt Wantland (guitar) und Chad Huff (bass). Für die Produktion zeichnet kein geringerer als Nick Raskulinecz verantwortlich, der bereits Alben der Foo Fighters, Queens of the Stone Age, Evanescence sowie Mastodon und Rush produziert hat.
Die Grundstimmung des Albums geht deutlich vom Alternativ Metal hin zum komplexeren progressive Metal. Hymnische Melodien treffen hier auf Gitarrenwände, Synkopen und Tempiwechsel. Die Melodien werden im Wesentlichen getragen durch den ausdrucksstarken Gesang von Frontmann Jesse Hasek. Der Track, der alle diese Komponenten zur Perfektion bringt ist das Stück "Halos". Hier vollbringt insbesondere Bassist Chad Huff Glanzleistungen.
In "Lucky You" wird das Grundthema von der akustischen Gitarre vorgegeben, der zerbrechliche Gesang von Hasek setzt ein, um dann unter dem Einfluss der E-Gitarren zu explodieren, sich anschließend wieder zurückzuschrauben und erneut anzusetzen - grandios!!! Diejenigen, die bedauern, dass Steven Wilson seine Band "Porcupine Tree" auf Eis gelegt hat, werden ihre helle Freude an diesem Album haben. "In Absentia" lässt grüßen.

Bootsy Collins - World Wide Funk

Bootsy Collins, die Kultfigur des Funk seit den späteren 60er Jahren, hat mit dem Album "World Wide Funk" sein insgesamt zwölftes Studioalbum und damit zweites Album für das Label Mascot Records herausgebracht. Der Bassist hat eine wechselvolle Vita und sein unverwechselbarer Bass war bereits in James Browns Megahit "Sex Machine" zu hören.
Auf den 15 Tracks des Albums, das er in seinem eigenen Studio in Cincinnati aufgenommen hat, beteiligt er wieder unterschiedliche Gäste aus Jazz, Funk und Fusion. Neben Stanley Clarke und Victor Wooten, die förmlich mit ihm um die Wette "Bassen" ist natürlich auch sein langjähriger Weggefährte Chuck D. Buckethead zu hören. Neben experimentellen Funk Tracks enthält das Album mit "Pusherman" und "Candy Coated Lover" auch eingängige, radiotaugliche und tanzbare Funkpop Stücke. In "Ladies Night" wird die Rap Fraktion bestens bedient. Der Bass In "Snow Bunny" groovt einem fast die Ohren weg.
Mit "A Salute to Bernie" huldigt Bootsy den 2016 verstorbenen Keyboarder Bernie Worrell mit dem ihn eine langjährige Zusammenarbeit verbunden hat. Die Ballade "Worth My While" kommt auf Samtpfoten mit einfühlsamen Gesang daher. Insgesamt legt Bootsy Collins hier ein Album vor, welches die modernen Spielarten des Funk miteinander vereinigt wobei die Stücke so intelligent arrangiert sind, dass sich bei jedem Hören immer wieder neue Facetten und Details der Songs erschließen.

A.R. & The Machines live in der Elbphilharmonie

Im Jahre 1971 im Alter von 13 Jahren saß ich regelmäßig vor dem Radio, hatte meinen ersten Kassettenrekorder (noch ohne Überspielkabel nur mit Mikrofon, das direkt vor dem Lautsprecher positioniert wurde), hörte den 5 Uhr Club im NDR und drückte die Aufnahmetaste. Darunter war auch das Stück "Come on People" von Achim Reichel & The Machines welches damals aus dem Album "Die grüne Reise" als Single ausgekoppelt war.

Dieses Stück fand ich schon damals faszinierend. Die Musikkritiker und auch der größte Teil der Musikinteressierten sahen dies anders, so dass die Platte ohne große kommerzielle Erfolge in der Versenkung verschwand. Ich habe sie dann später in der Wiederauflage als "Nice Price" LP erstanden. Achim Reichel hatte die Musik "Der grünen Reise" mit einer Akai- Bandmaschine (ein Equipment von dem damals jeder Schüler träumte) durch Experimentieren mit den Tonspuren und der zufälligen Entdeckung des "Loops" erschaffen und so Gitarrenkaskaden und hypnotische Rhythmen entwickelt.

Als ich im Frühjahr diesen Jahres durch Zufall in einer Anzeige des Konzertveranstalters Karsten Jahnke lesen konnte, dass Achim Reichel mit seinem Projekt A.R. & The Machines nach gut 45 Jahren diese Musik in der Elbphilharmonie wieder aufleben lassen will, traute ich meinen Augen kaum und bestellte sofort Tickets. Das Glück war mir hold und ich konnte mich am 15.September in Reihe 2 direkt vor der Bühne einfinden. Bezeichnenderweise thronte das Corpus Delicti - die Bandmaschine AKAI X-3300 über einem Gitarrenkoffer positioniert - mit auf der Bühne neben den sonstigen Instrumenten.

Kurz nach 20.00 Uhr betrat dann Achim Reichel mit seinen in Weiß gewandeten Mitstreitern den ausverkauften großen Saal der Elbphilharmonie, wobei dem "alten Hasen" deutlich anzumerken war, dass dies ein Konzertabend ist, der Abseits von dem liegt, was er ansonsten in den letzen Jahren musikalisch verarbeitet hat und er einerseits freudig erregt aber auch angespannt war. Diese Anspannung räumt Reichel dann auch in der kurzen Ansprache ein, in der er selbst noch einmal die Entstehungsgeschichte seiner Musik erläutert und das Publikum auffordert, die Klänge in diesem wundervollen Raum auf sich wirken zu lassen und bewusstseinserweiternd zu genießen und sich "einzulassen".

Dass Achim Reichel bei der Erschaffung dieser Musik seiner Zeit voraus war und die damaligen Musikkritiker in den 70ern die Bedeutung dieser völlig falsch eingeschätzt haben, zeigt sich in den nachfolgenden 1 1/2 Stunden. Durch die Wiederholung kurzer Tonfolgenmotive bringt Achim Reichel auf der Gitarre in seiner Musik sowohl die Elemente des viel später entwickelten Techno als auch der Minimalmusik der Klassik im Sinne von Steve Reich zusammen.

Dabei setzen insbesondere der Schlagzeuger Olaf Casalich und der Percussionist Yogi Jochkusch mit Ihren teilweise gegenläufigen Rhythmen und zahlreichen Instrumentarium Kontrapunkte zu den sich ständig wiederholenden Themen. Auch Bassist Achim Rafain brilliert am Bass, teilweise mit jazzigen Slap-Einlagen. Die Einsätze steuert der in jeder Phase des Konzerts enthusiastisch mitgehende Nils Hoffmann an Keyboard und Gitarre.

Allen Musikern ist anzumerken, dass sie trotz aller Anspannung dieser "Premiere" unglaublichen Spaß am Musizieren und am Ausloten Ihrer Fähigkeiten haben, was sich insbesondere in den vom Publikum umjubelten Soli zeigt. Der ganze Auftritt wird dann auch noch von der hervorragenden Akustik der Elbphilharmonie ins Publikum getragen. Am Ende des Konzerts brandet der Beifall auf und Achim Reichel freut sich sichtlich über das erfolgreiche Wiederaufleben seines fast "totgesagten" Projekts.
Der einzige Wermutstropfen für mich persönlich war, dass "mein" Stück "Come on People" nicht Gegenstand der Setlist des Abends war. Für diejenigen, die diesem musikalischen Highlight nicht beiwohnen konnten bleibt die Hoffnung, dass der Aufwand der Band für die Proben nicht einem einzelnen Konzert vorbehalten war und weitere Auftritte folgen.

Im Übrigen hatte Achim Reichel in seinen Eingangsworten zum Konzert darauf hingewiesen, dass am 29.10.2017  eine 10 CD-Box erscheint, in der alle bisherigen Veröffentlichungen aus der Zeit von 1971 bis 1974 von A.R. & The Machines sowie sonstiges Bonus Material aus den Archiven und Live Aufnahmen enthalten sind.

Nach diesem Konzert weiß ich jetzt schon was demnächst meine CD-Sammlung komplettieren wird.

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