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Joe Bonamassa - Redemption

Es ist immer wieder erstaunlich, welch hohen musikalischen Standard Joe Bonamassa trotz seines hohen "Outputs" halten kann - seine Ideenvielfalt und kompositorischen Einfälle scheinen unerschöpflich zu sein. Immerhin legt er mit seinem neuen Werk das 13. Studioalbum innerhalb von 18 Jahren vor. Alle zwölf Songs stammen aus seiner eigenen Feder - auf Interpretationen von Fremdkompositionen verzichtet er diesmal ganz.
Die Platte wurde in verschiedenen Studios in Nashville, Sydney, Las Vegas und Miami aufgenommen. Mit von der Partie sind die bewährten Mitstreiter Anton Figs (Drums), Michael Rhodes (Bass), Reese Wynans (Keys) sowie Lee Tornburg und Paul Cerra (Horns). Bei den Backing-Vocals setzt er auf die bereits aus den letzten Tourneen bekannten Mahiala Barnes, Jade McRae und Juanita Tippins.
Völlig neu ist jedoch, dass Bonamassa diesmal noch zwei weitere Gitarristen beteiligt hat, und zwar Kenny Greenberg und Doug Lancio. Beide treten in Interaktion mit Bonamassa, so dass die Songs eine neue, bei ihm bislang ungehörte Dimension erhalten - gerade das macht die besondere Spannung dieses Albums aus.
Gleich bei den ersten Takten zum Opener "Evil Mama" horcht der fachkundige Hörer unwillkürlich auf - hier wird in Reminiszenz an Led Zeppelin's "Rock 'n' Roll" das Drum-Intro dieses Songs zelebriert, um dann in einen tiefen Groove zu münden.
Es folgt ein Song mit Rockabilly-Anleihen, "King Bee Shakedown", der unter anderem durch die Bläser-Arrangements glänzt.
Bei "Molly-O" und "Self-Inflicted Wounds" handelt es sich um tiefgründige Blues-Songs die unter die Haut gehen.
Der Titelsong "Redemption" beginnt ebenfalls als tiefer emotionaler Blues, nimmt dann aber Fahrt auf und endet in unglaublichen Soli Bonamassa's.
Wunderbar gefühlvoll ist auch der akustische Song "Stronger now in broken places" begleitet von den elfengleichen Klängen einer Handpan, gespielt von Kate Stone.
Nach diesem wunderbaren Album bleibt nur noch abzuwarten, wie Bonamassa die neuen Songs auf die Bühne bringt, denn im Oktober tourt er für sechs Konzerte durch Deutschland. 
Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

The Magpie Salute - High Water I

Diese Band ist ein Phänomen, denn es gibt nur wenige, die ihr Debut als Live Album herausbringen. So geschehen im Sommer 2017 als von "The Magpie Salute" ein opulentes Live Doppelalbum erscheint. Das können sich nur Musiker leisten, die schon auf eine gewisse Karriere zurückgreifen können, sich von Beginn an als Live-Band verstehen und seit der Gründung 2016 hauptsächlich Konzerte spielen. So z.B. im Januar 2017 gleich 4 ausverkaufte Shows im Gramercy Theatre in New York nacheinander.
Die Namen der Gründungsmitglieder Rich Robertson (Gitarre), Sven Pipien (Bass) und Marc Ford (Gitarre) dürften Retro-Rock-Begeisterten bekannt vorkommen - sie waren alle Mitglieder der legendären Black Crowes, die Rich Robinson im Januar 2015 offiziell aufgelöst hatte.
Nach den intensiven Live Erfahrungen der Band und den euphorischen Berichten über die Konzerte in den Medien hat es die Band dann ins Dark Horse Studio in Nashville verschlagen um komplett neues Material einzuspielen. Für die Studio Aufnahmen haben "The Magpie Salute" die 10-köpfige Live Band auf 6 Musiker reduziert, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren.
Zusammen mit dem Sänger John Hogg, dem Keyboarder Matt Slocum und Schlagzeuger Joe Magistro hat die Band 12 Tracks aufgenommen die nun beim Provogue / Mascot Label erschienen sind.
Herausgekommen ist ein explosive Mischung aus Rock, Blues, Soul und Southern Rock.
Gleich der Opener "Mary the Gipsy" beginnt mit harten Gitarrenriffs, getrieben von einem hämmernden Schlagzeug - die Elster nimmt sofort Fahrt auf - getragen von einem herrlich verzerrten Gitarrensolo.
Der darauffolgende Titeltrack "High Water" - ein Midtempo-Song - lebt von Hoggs dynamischer Stimme und der sie umspielenden weichen Gitarre.
Besonders gut gefällt mir die Ballade "Sister Moon" bei dem als Grundlage ein Stakkato-Keyboard-Motiv den gefühlvollen, warmen Gesang trägt und die Gitarren daneben Glanzpunkte setzen.
Mit "Take it All" setzen die Musiker auf Southern Rock Elemente. Bei diesem Song sind die Gitarren klar bestimmend. Hier wird besonders deutlich, dass die Elstern ihre Wurzeln in den Krähen haben.
Dass sie auch ganz anders können zeigt die Band auf "Hand in Hand", einem akustischer Song mit Boogie-Woogie-Wurzeln - einfach fantastisch!
Insgesamt ist es ein sehr abwechslungsreiches Album, das zwar Grundelemente der Krähen aufnimmt, diese aber so erheblich um die Eigenschaften der Elstern erweitert, dass sich so ein eigenständiges Profil der Band ergibt.
Ein absoluter Tipp für den Liebhaber des Retro-Rock Genres!

Joe Bonamassa - British Blues Explosion Live

Wer Joe Bonamassa bislang live erlebt hat oder aber seine 14 vorherigen Live Alben kennt, weiß, dass er in den Konzerten neben seinem eigenen Songmaterial immer auch Cover Versionen alter Blues Nummern neu interpretiert. 
Das Live Album "Muddy Wolf at the Rocks" (2015) hatte er fast ausnahmslos mit Cover Versionen von amerikanischen Blues Veteranen wie Willy Dixon, Muddy Waters und Howlin' Wolf eingespielt.
Das nun vorliegende Album beschäftigt sich, wie der Titel bereits suggeriert, ausschließlich mit den britischen Vorbildern des Blues, die Bonamassa in seinem musikalischen Schaffen ebenfalls maßgeblich beeinflusst haben. 
Es ist eine Hommage an die "living legends" Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page, die allesamt den britischen Blues und Bluesrock nachdrücklich geformt und beeinflusst haben. Bezeichnenderweise waren alle 3 Gitarristen in den 60er Jahren zu Anfang Ihrer Karriere Mitglieder der legendären Yardbirds, die zu dieser Zeit die Grundlage des britischen Blues gelegt hatten. Alle drei sind genau wie Bonamassa exzellente Techniker mit eigenwilligem Sound an der Gitarre und sowohl ungestüme als auch gefühlvolle Songwriter.
Das hier vorliegende Konzert mit seinen 14 Stücken wurde beim Greenwich Music Time Festival am 07. Juli 2016 im Old Royal Naval College in Greenwich London aufgenommen. Den Auftakt bilden die Songs der Jeff Beck Group "Beck's Bolero / Rice Pudding", zwei Songs aus der Anfangsphase diese Gruppe. Schon bei diesen Auftaktsongs brilliert die 5-köpfige Band bestehend aus Michael Rhodes (Bass), Reese Wynans (Keyboards), Anton Fig (Drums) und Russ Irwin (Rhythm Guitar) mit einer druckvollen Interpretation. 
Besonders hervorstechend ist dabei neben der Gitarrenarbeit von Bonamassa die Solos des Keyboarders Wynans.
Von Eric Clapton's Comeback Album "461 Ocean Boulevard" hat sich Bonamassa die Titel "Mainline Florida" und "Motherless Children" ausgesucht. Wie auch bei allen sonstigen Titeln kann der fachkundige Zuschauer Bonamassa direkt auf die flinken Finger schauen und sein Saitenspiel bewundern. 
Bei den Kompositionen von Jimmy Page stechen die Led Zeppelin Songs "Boogie with Stu" und der Klassiker "How many more Times" besonders hervor. Insbesondere beim ersten Song begeistert die Virtuosität des "Tastenmannes" Reese Wynans.
Bonamassa hat hier in der Tat eine explosive Auswahl von Coverversionen zusammengestellt.
Das einzige was mich ein wenig betrübt ist, dass kein Song des vierten "Übergitarristen" von der Insel, nämlich Rory Gallagher dabei ist, obwohl dieser auch einen maßgeblichen Einfluss auf ihn hatte, wie man aus früheren Veröffentlichungen Bonamassa's weiß.

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