La Féline veröffentlicht „Vie Future“ Album

Manchmal gibt es Momente da liegen Leben und Tod so nahe beieinander, dass man meinen könnte, dass sie für einen Augenblick sogar in den Dialog miteinander treten. Oft geschieht das in Stille. La Féline jedoch entschied sich für einen anderen, den musikalischen Weg.

“Vie Future” (“Future Life”) – das dritte Werk der französischen Musikerin und Autorin Agnès Gayraud (sie hat vor ein paar Monaten ihr neuestes philosophisches Werk ‘Dialetique de la pop’ veröffentlicht und wird dieses demnächst auch auf Englisch ‘Dialectic of Pop’ herausbringen (Urbanomic)) – ist ein wahrlich kosmisches Album. Tiefgründig und fast sphärisch – wie die Musikerin selbst – setzt sich das Album mit dem Zyklus des Lebens auseinander – diesen Bogen, in welchen sich der Kosmos in der physischen Welt ausdrückt und wo die Sorgen der Gegenwart niemals die Freude trüben.

Der Songwriting-Prozess begann bereits im Februar 2018 als Agnès` Stiefvater kurz davor war, aus dem Leben zu scheiden und sie zeitgleich selbst im Begriff war, neues Leben in die Welt zu setzen – nur, dass sie das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste. Gefangen in den widersprüchlichen Gefühlswelten – zwischen Leben und Tod, Schwere und dem neuen aufkeimenden Gefühl von zarter Liebe – griff sie zu ihrer Gitarre, ein paar Effektpedalen und ihrem iPad und begann, Songs in ihrem Lyoner Studio zu schreiben. Entstanden sind elf faszinierende Songs, die von ihrer ganz persönlichen Zukunftsvision künden – mit Melodien, die wie kleine Orakel anmuten.

In den folgenden Monaten erhält die Freude über das noch ungeborene Leben zwar Oberhand über die Trauer um ihren Verlust, doch ein Hauch Hoffnungslosigkeit webt sich langsam aber stetig in ihr tiefes, einst unerschütterliches Urvertrauen in das Universum. So sind letztlich Glück und Kummer untrennbar miteinander verwoben und finden sich in der Musik vereint wieder. Irgendwo in dem Raum zwischen Himmel und Erde – Industrial Rock und astralen Balladen – erzählt und verbindet La Féline auf intelligente Weise sowohl den unendlichen Schmerz als auch die unglaubliche Freude.

Auf der Suche nach dem Kern, die an die großen französischen Songwriter wie Anne Sylvestre oder Brigitte Fontaine erinnert, vereint La Féline sanfte Stimmen mit den Mystiken des Universums à la Laurie Anderson. Diese Düsternis wird durch die Produktion des Multi-Instrumentalisten und genialen Produzenten Xavier Thiry, mit dem Agnés seit 2008 gemeinsam den typischen La Féline-Sound geschaffen hat, noch verstärkt: verschiedene Effekte von Breitbandhall und Echo, die sich spielerisch an synthetische Sounds und Streicher-Ensembles anschmiegen und die Songs mit genau den Sounds anreichern, die die Galaxy des Albums ausmacht. Das Ergebnis ist durchdrungend von einem cineastischen Glow – eine Renaissance des Science Fictions wie in Pink Floyds ‘Set The Controls To The Heart Of The Sun” oder Ray Bradburys ‘Short Stories’, die kühle Exotik des David Sylvians und dem 2001er ‘A Space Odyssey’ – hier jedoch hat Science Fiction bereits stattgefunden und schon jetzt erinnert die Gegenwart an unruhige Träume.

“Vie Future” ist ein zeitgenössisches Album: Es ist der Soundtrack zu unserer kränkelnden Gegenwart – eine Studie über die Qualen und Freuden der ökologischen und politischen Katastrophen, mit denen wir aktuell konfrontiert werden. Wie auch der Jacques Tourneur-Film, der sie zu ihrem Künstlernamen inspirierte, scheint La Féline unter einem Fluch zu stehen und beginnt, an der Realität zu zweifeln. Mit ihrer himmlischen und zugleich kraftvollen Stimme singt sie über den Verfall von Glaube und Sicherheit. Die Unmöglichkeit der Auferstehung (“Tant que tu respires”, “Où est passé ton âme”); die dem Untergang geweihte Zukunft unseres Planeten (“Palmiers Sauvages”, “Depuis de ciel”); aber auch die Verletzlichkeit der Menschen, die in einer Welt, der sie einst dienlich und untertan waren, ums Überleben kämpfen (“La terre entire”) und die niemals endende Liebe für ihr Kind, welches sie noch vor der Geburt visualisieren konnte (“Vision de dieu” und “Voyage à Cythère” – ein Song, der den Herzschlag ihres Babys enthält, der bei einem Ultraschall aufgezeichnet wurde).

Nach dem ergreifenden „Adieu L’Enfance“ (2014) und dem gewaltigen „Triomphe“, welches Anfang 2018 auch in UK veröffentlicht und von den Kritikern hochgelobt wurde, schließt „Vie Future“ als dritter Teil die bedeutsame Trilogie. Das Album nimmt uns mit auf den schmalen Grat zwischen Gegenwart und Zukunft; Traum und Realität. Zukunftsorientierter Pop voller Ambitionen, Bewegung, Gefahren, Überraschungen und Versprechen – ganz wie das Leben selbst.

Die erste Single-Auskopplung „Palmiers Sauvages“ (Juni 2019) beschreibt eine apokalyptische Welt der Zukunft und führte damit auf perfekte Art vom vorherigen Longplayer zum neuen Album „Vie Future“. „Palmiers Sauvages“ eröffnet dem Hörer eine neue musikalische Dimension, die Streicher-Arrangements mit digitalen Elementen zu einem lässigen, sinnlichen TripHop-Groove vermischt – ein Song, der einen aufgewühlt und bewegt zurücklässt. Nachfolger ist eine 2-Track-Single – die A-Seite: „Effet de Nuit“ eine nächtliche Ballade: Nach dem Verlassen einer Party auf dem Höhepunkt des Geschehens, ergreifen Gedanken Macht über uns.

Die Betrachtung des Mondes lässt uns frei und klein zugleich fühlen – Agnés` Stimme wirkt fast hypnotisierend. Die B-Seite „Visions de Dieu“ ist ein Lovesong. Synthies und Drums mischen sich mit dramatischen Glocken und dämonischen Chören, die Stimme führt uns ins tiefste Innere. Titel und letzte Strophe sind ein Spiel mit den Strophen von Verlaine – „wie ein Mann, der Visionen von Gott hat“. Agnés Gayraud ist ein Krautrock-Fan – als sie den Song komponierte, war sie in Gedanken war sie bei LA Düsseldorf oder Neu!. Der unerwartete Clou hierbei ist, dass es ums Muttersein geht.

Das Album „Vie Future“ wird in Frankreich bereits im Oktober, in Deutschland jedoch erst Ende November erscheinen –Anfang Oktober wird La Féline gemeinsam mit Nouvelle Vague u.a. auch in Deutschland auf Tournee gehen und u.a. in Berlin, München, Köln, Dresden und Hamburg spielen.

Tracklisting:

  1. Palmiers Sauvages
  2. Effet de nuit
  3. Où est passée ton âme
  4. Fusée
  5. Voyage à Cythère
  6. La Terre entière
  7. Tant que tu respires
  8. Fortune
  9. Visions de dieu
  10. Despuis de ciel
  11. Lucifer (bonus)

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