Campino – Hope Street

Campino, seines Zeichens seit gefühlten Ewigkeiten Frontmann der Toten Hosen und Punkrocker aus Leidenschaft, veröffentlicht mit „Hope Street“ seine ganz eigene und etwas andere Biografie. Wie der Titel bereits vermuten lässt (und jedem Freund der Toten Hosen und von Campino ist dieser Umstand ohnehin bekannt) dreht sich in dieser Erzählung aus Campinos Leben sehr viel um seine große Liebe, den Fussball und speziell seinen Lieblingsclub, den Liverpool FC.

Anders als bei anderen Biografien, knüpft Campino seine autobiografischen Rückblicke und Erlebnisbeschreibungen immer an Erinnerungen, die mit Spielen des Liverpool FC zusammenhängen. Er erinnert sich an bestimmte Situationen und Ergebnisse und setzt darauf dann seine Gedanken zu früheren Geschehnissen aus seinem privaten Leben als Andreas Frege und aus seinem Punkrockerleben als Campino auf. Durch diese Umsetzung ist „Hope Street“ eine sehr kurzweilige Erzählung geworden.

Wer jetzt aber dachte, Campino liesse es inhaltlich so richtig krachen – so wie auf der Bühne mit seiner Band – der sieht sich schnell getäuscht. Vielmehr schildert der Sänger und Fußballfan seine Erinnerungen recht harmonisch, beschreibt Situationen aus seiner Kindheit, Jugend und Erwachsenenzeit. Und wird an diversen Stellen etwas zu selbstverliebt und doppelmoralisch.

Als sich gebender Vertreter für den Umweltschutz und Sympathisant für die „Fridays For Future“ Bewegung passt das quer durch Europa und darüber hinaus Jetten zu Spielen des Liverpool FC dann nur bedingt. Gleichwohl ist es ein Teil – und zwar ein wesentlicher – des Lebens und der Liebe zum Verein und Sport von Campino. Und so ist es auch ehrlich, wenn er die Situationen so beschreibt wie sie sind, gleichwohl mag es ihn auch angreifbar machen. Allerdings ist Campino mit mittlerweile 58 Jahren dann auch in einem Alter und einer Position, in dem bzw. in der er das aushalten können dürfte.

Das Buch liest sich gut und flüssig. Ist so geschrieben, dass man beim Lesen immer wieder mal schmunzeln muss und des Öfteren bei dem einen oder anderen wohl die Gedanken derart aufkommen, dass man doch selbst auch gern in der Lage wäre, sein Berufsleben rund um einen Saisonspielplan seines Lieblingsvereins herum zu gestalten. Campino gibt Einblicke in seine Gedankenwelt, seinen positiv gemeinten Fanatismus für den englischen Fussball und speziell seinen Verein, seine englischen Wurzeln und – gleich zu Beginn – seinen Stolz, mit der Annahme der englischen Staatsbürgerschaft nun auch offiziell wieder zu diesen zurückgekehrt zu sein.

Somit ist der Weg für den nächsten Titelgewinn bereitet – egal ob für Liverpool oder für die Toten Hosen. „Hope Street“ ist eine etwas andere aber sehr schöne Autobiografie.

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