Für Lisa Who kommt „Ein neuer Beginn“

Alles, was wir haben, ist Jetzt. Ein Gedanke, über den man im Angesicht der aktuellen Weltlage schnell mal ins Taumeln geraten kann. LISA WHO versucht dieser Erkenntnis positiv zu begegnen und schreibt mit ihrem zweiten Album »Ein neuer Beginn« ein Plädoyer fürs Mutigsein. Denn Mut, den brauchte man 2020 als Indiekünstlerin.

Mutig war auch der Schritt, sich von ihrem Label Arising Empire zu trennen und ihr zweites Album nun auf ihrem eigenen, frisch gegründeten Imprint The Shit Records im Alleingang herauszubringen.

»Ein neuer Beginn« ist genau das und zum Glück doch keine komplette Abkehr von LISA WHOs früherem Sound. Einzelne Fäden aus ihrem psychedelischen Debüt »Sehnsucht« (2017) spinnen sich hier hörbar fort. Die von Pink Floyd, Warpaint und Air gleichermaßen inspirierten, zeitlupenartigen Instrumentalparts etwa, die playlistenoptimierte Songformate konsequent sprengen. LISA WHO nimmt sich Zeit, ihre Songs zwischen kosmischem Prog-Rock, sphärischem Indie und eingängigem Deutschpop eindrucksvoll zu entwickeln. Gewohnt zart konterkariert ihr melancholisch-verträumter Gesang dabei die mächtige wall of sound. Doch in einigen tanzbaren Up-Tempo-Momenten zeigt LISA WHO auch neue Facetten von sich, etwa die ausgelassene Live-Performerin, die sie als Keyboarderin der Band Madsen herauslassen kann. »Ein neuer Beginn« ist Gegenwartsbewältigung ohne Eskapismus. Denn alles, was wir haben, ist Jetzt.

Eine zentrale Figur während dieses künstlerischen Selbstfindungsprozesses war ihre Begegnung mit Sebastian Madsen, Sänger der gleichnamigen Band. Er holte sie 2010 als Keyboarderin in die Band und damit auf die große Live-Bühne, wo sie hingehört. In Sebastian Madsen hat LISA WHO einen musikalischen Seelenpartner gefunden, mit dem sie bis heute als Produzent ihrer Musik zusammenarbeitet. Denn obwohl LISA WHO als Sängerin, Songwriterin und Performerin das kreative Zepter hinter ihrer Musik nie aus der Hand gibt, ist sie doch keine One-Woman-Show.

Auch auf »Ein neuer Beginn« hat Sebastian Madsen neben Tobias Siebert (Klez.e, And The Golden Choir), als Produzent mitgearbeitet. Entstanden im Madsen-Studio im Wendland und im Kreuzberger Studio von Siebert, fügen sich LISA WHOs lyrisches Songs zwischen treibenden Beats, bombastischen Rockgitarren und detailverliebten Produktionsspielerein mit alten Synthies und analogen Bandmaschinen organisch zu einem facettenreichen Kaleidoskop zusammen. Auch wenn »Ein neuer Beginn« im Gegensatz zu »Sehnsucht« bewusst kein Konzeptalbum sein will, ziehen sich doch inhaltlich wie musikalisch deutliche roten Faden durch das Album.

Auf der heute erscheinenden Single »Weit wie die See« arbeitet sie sich mit bluesig-rockigem Jazz-Gesang an einem Rätsel in Menschenform ab, das sie einfach nicht lösen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.