George Orwell – 1984

Die Neuauflage des Klassikers von George Orwell erscheint im dtv Verlag in einer Übersetzung von Lutz-W. Wolff, der ebenfalls die „Farm der Tiere“ Neuauflage einer aktuellen Übersetzung unterzogen hat.

Optisch sehr gut aufgemacht, lädt schon das Cover zum Lesen ein. Und jeder, der zuvor noch keine Begegnung mit dem Roman von George Orwell hatte, wird sich ob der darin beschriebenen Umstände zuallererst wohl an die politische Situation in der DDR erinnert fühlen. Doch diese hatte der Autor beim Verfassen des Romans natürlich nicht im Blick, da sie zum Zeitpunkt der Entstehung im Jahr 1949 gerade erst gegründet war.

Viel mehr zielte Orwell einige Längengrade weiter nach Osten, nach Russland, den seinerzeit von Stalin beherrschten und im wahrsten Sinne der Wortes manipulativ diktatorisch regierten Staat. George Orwell zeigt mit einer letztlich von der Geschichte seit der Entstehung des Romans immer wieder in negativer Hinsicht bestätigten Vorstellung, wie er sich die Überwachung und Manipulation des Staates und seiner Bürger vorstellt. Gehirnwäsche auf allen Ebenen bis hinein in die intimsten zwischenmenschlichen Beziehungen.

Und neben der Überwachung als solches rückt Orwell auch die sprachliche Manipulation in den Mittelpunkt und zeigt damit zugleich die Macht der Sprache auf. Und auch die Gefahr, wenn Sprache und die Meinungsbildung gesteuert und eindimensional gemacht werden.

„1984“ ist heutzutage wieder aktueller denn je. Gerade in den heutigen Zeiten – sehr eindrücklich in negativer Hinsicht von einem „Staatsmann“ wie Donald Trump gelebt. Da werden erdachte und manipulative Nachrichten verbreitet, Lügen bekommen die Begrifflichkeit der „alternativen Fakten“ und werden damit auf eine Ebene gehoben, die gerade vor dem Hintergrund der Meinungsfreiheit mehr als bedrohlich ist. Und die bereits vor über 70 Jahren eben so von George Orwell aufgezeigt wurde – wenngleich damals auch nur in seinem Kopf entstanden.

Dieser Roman ist ein unbedingtes Muss für jeden, denn er ist auf erschreckende Weise zeitlos und vor allem inhaltlich sensibel und aufweckend zugleich. Und immer, wenn auch gerade in diesem Land hier politische Manipulationen durch bewusste Wortwahlen dazu führen sollen, die Empfänger fehl zu leiten, um sie letztlich zu unterdrücken und in ihren Verhaltensmöglichkeiten mehr als zu limitieren, sollte man sich an die Visionen von George Orwell, die dieser mit „1984“ mahnend in diesen Roman hat übergehen lassen, unbedingt wieder und wieder vor Augen führen.

Da Vorwort zu der Neuauflage stammt vom Vorsitzen der „Grünen“, Robert Habeck, verfasst worden. Eine vom Verlag vielleicht nicht ganz optimale Wahl, denn einen Politiker ein Vorwort zu einem derartigen Roman verfassen zu lassen, birgt mehrere Gefahren. Die der politischen Färbung des Vorworts ist sicherlich die naheliegendste. Die Freiheit des Autors als Künstler wird durch derartige Vorworte in der Auffassung des Lesers nachträglich beschnitten. Durch politische Vorworte wird der Leser ebenfalls geleitet und das Werk wird als solches schon alleine dadurch eingeengt, so dass das offene Spektrum der Wahrnehmung schon vor der ersten Seite des Romans eine Einschränkung erfährt.

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