Erstes Album von Tanyc erschienen

„Your smile is a little brighter than mine“… Hmm, schwer zu glauben, wenn man dieses Album durchhört. TANYC hat hier ein multitexturelles Pop-Album scheinbar aus dem Ärmel geschüttelt, das jeden audiophilen Soundjünger erstmal für ein paar Monate zwischen seine Hörmuscheln schicken wird. Hier drin ist so viel zu entdecken wie hineingesteckt wurde und wahrscheinlich noch viel mehr.
Die Lead-Single „Smile“ legt den Kurs vor, den TANYC hier auf ihrem Solo-Debüt einschlägt, aber eigentlich stehen die Songs alle auch für sich. „Shoot“ zum Beispiel erinnert an britisch angehauchtern Shoegaze-Pop und ist stilistisch kaum mit „Smile“ vergleichbar, deswegen muss man hier eventuell mit ein wenig mehr Feingefühl und Geduld vorgehen. Vergleiche jeglicher Art sind eigentlich unzulässig, aber sie werden sich bei einer Künstlerin wie TANYC kaum vermeiden lassen und werden vielleicht – beziehungsweise garantiert – hier und da mal im Kopf aufploppen. Ungewollt und aus dem Nichts, aber so funktionioniert der Kopf nun einmal, man kann diese Assoziationen als Referenzpunkte auffassen, wenn man denn so möchte… wie TANYC’s Kopf allerdings funktioniert, das kann niemand orakeln.

Aber selbstverständlich funktioniert er natürlich und ist wunderschön, wollte man ihn an diesem Album messen. „Hideaway“ ist genauso sehr ein so genannter Hit wie „Smile“ und man fängt langsam an, ein wenig dringlicher darüber nachzudenken, womit man es hier zu tun haben könnte. Etwas sehr Großem, das steht außer Frage. Zweifellos geht dieses gesamte Album hier raus an die pure souls und ist selbst ein ebenso pures und kräftiges Statement künstlerischer Integrität. „Loops on Fire“ schmilzt eine(n) nieder und man knabbert ganz schön an der Aufgabe Worte, geschweige denn konkrete Gedanken abseits der wunderbar schlüssigen Gefühlswelt, darüber zu bauen. Nur um dann „Beautiful“ zu hören. Sagte nicht Frank Zappa einst, über Musik zu sprechen sei wie über Architektur zu tanzen?

TANYC ist allerdings alles andere als eine Unbekannte, als Teil des Duos CAMA feierte sie längst Major-Erfolge. Auch wenn man das üppige Arrangement von „Again“ und das epische Whammy-Gitarrensolo hört, ist einem bald klar, dass hier eine ganze Riege an Edel-Musikern agiert. Der Ausnahmeviolinist Tom Norris stellt seine Fähigkeiten sonst dem London Symphony Orchestra zur Verfügung und der israelische Schlagzeuger und Perkussionist Nir Zidkyahu veredelte bereits John Mayers Debüt. Sie gehören ebenso zu dieser Vision wie der deutsche Gitarrist Kalle Wallner, der mit seiner Band RPWL seit über zwanzig Jahren sehr erfolgreich ist.

Aber über allem thront diese Stimme. Mal engelsgleich glasklar, mal Vintage Soul, mal Femme fatale; es ist nicht einfach dieser Stimme einen eindeutigen Charakter zu verpassen und es wäre auch nicht der richtige Ansatz bei einer künstlerischen Vision die so groß ausgelegt ist. Ebenso verhält es sich hier mit dem Genre-Stempel. Das können getrost die Algorithmen übernehmen, lieber noch aber die Hörer. Es ist allerdings ziemlich sicher, dass Hörer dieses Albums sich nicht mit solchen Trivialitäten aufhalten werden. Der sakrale Charakter eines Songs wie „Labyrinth“ oder das opulente Outro von „This Dream“ stellen ein helles Licht in dieser Zeit dar, TANYC hätte problemlos ein reines Vocal-Werk veröffentlichen können. Der krönende, meditative Abschluss dieses Albums, „Over and Over“, beweist das. Aber power in numbers ist nun einmal ein Naturgesetz, deshalb lud sich TANYC auch noch Duettpartner ins Studio ein. „Never ask twice“ ist ein lupenreiner noir Film-Soundtrack mit Spaghetti-Western Twang-Gitarre und stellt auch den amerikanischen Expat-Rock n‘ Roller Aaron Brooks groß in Szene. Ein Duett ergibt hier auch Sinn, der Song lotet die Komplikationen und die Magie des Zusammenlebens aus und zelebriert den Kompromiss. Eigentlich ironisch bei einer Songsammlung die künstlerisch überhaupt keine Kompromisse eingeht. Warum auch? In welche Richtung hat man sich denn zu verbiegen, wenn das was man selbst kreiert eine ganze Welt erschafft?

TANYC hat hier einen wunderbaren Brocken hingelegt, der am 2. Juli 2021 das Licht der Welt erblickt, oder umgekehrt, in die Welt strahlen wird. Wenn schon Auftritte nicht oder kaum möglich sind, offenbart TANYC hier eindrucksvoll was alles im Labor erzaubert werden kann. Ihr gleichnamiges Debüt ist ein Hybridwesen aus Studiokunst und Liveband, aus Elektronik und langjähriger Bühnenerfahrung, aus ätherischer Poesie und monumentaler Inszenierung. Nicht umsonst spricht man von „High Fidelity“ wenn von höchsten audiophilen Ansprüchen gesprochen wird. Denn bei aller Finesse und der elfenhaften Entrücktheit dieser beeindruckenden Sängerin und Komponistin macht dieses Album einfach Spaß, das darf nicht vergessen werden.

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