Max Richter – Exiles

Max Richter liefert mit „Exiles“ nicht nur ein neues Album ab, sondern vielmehr eine Art Reiseführer seiner eigenen musikalischen und gedanklichen Erlebnisse der letzten Jahre und teilweise Jahrzehnte.

Der renommierte europäische Komponist und Aktivist hat im Titelstück, dem 33 Minuten langen „Exiles“, die aktuellen Flüchtlingsschicksale verarbeitet. Angefangen mit der Hoffnung des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 über die damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Kämpfe der Betroffenen und Alliierten bis hin zum erschreckenden Scheitern der Bewegungen und damit verbunden den Flüchtlingskrisen eines nie zuvor da gewesenen Ausmaßes.

Und wenn man aktuell die Bilder aus Afghanistan nach der traurigen Machtübernahme der Taliban und der damit verbundenen Gewalt und Massenpanik sowie Fluchtwilligen sieht, ist „Exile“ leider auch in diesen Tagen aktueller als es selbst Max Richter wohl lieb sein dürfte.

Klassisch fragil und bedächtig, aber auch mit sehr viel Atmosphäre umgesetzt, versetzt „Exile“ den Hörer über 18 Parts hinweg in eine niedergeschlagene Stimmung, bildet aber so die Gefühle der betroffenen Menschen, die sich auf der scheinbar hoffnungslosen Flucht befinden, sehr eindrucksvoll ab.

Die weiteren Stücke auf „Exile“ sind Neukompositionen älterer Max Richter Stücke, mal etwas verspielter aber ansonsten auch sehr schön atmosphärisch arrangiert. Und so ist dieses Album von Max Richter ein musikalisches Kunstwerk, das die Tragik der Gegenwart – speziell im Mittleren Osten – künstlerisch schmerzhaft aber dennoch auch irgendwie harmonisch schön dokumentiert.

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