Alex Christensen & The Berlin Orchestra – Classical 80s Dance

Nachdem sich Alex Christensen in den letzten Jahren zweimal den Tracks der 1990er angenommen und diese mit klassischen Sound neu arrangiert und einsingen lassen hat, macht der Mastermind mit seiner neuesten Veröffentlichung noch einen Schritt zurück in der Zeit und nimmt sich Hits aus dem vielleicht kreativsten musikalischen Jahrzehnt der Neuzeit, den 1980er Jahren, vor.

Für „Classical 80s Dance“ hat er zusammen mit dem The Berlin Orchestra insgesamt 19 Titel neu arrangiert und klassisch untermalt umgesetzt. Und dabei fehlt es auch an Facettenreichtum nicht. Denn von Songs von Künstlern wie Bronski Beat, über New Order und Bonnie Tyler bis hin zu Desireless ist alles vertreten – neu und klassisch eingespielt und von unterschiedlichsten Künstler auch neu eingesungen.

Die musikalischen Unterlegungen sind wirklich gut gelungen und verleihen den Songs eine interessante neue Atmosphäre. Allerdings zeigen die von Alex Christensen ausgesuchten und gewonnenen Sänger deutlich auf, wie einmalig und auf gesanglich auf allerhöchstem Niveau doch die Originale gewesen sind.

Und obgleich sich hier Stars wie Ronan Keating, Gary Barlow, Sophie-Ellis Bextor oder auch Mandy Capristo hinter dem Mikrofon standen, eine Stimmung, wie sie bei den Originalsongs alleine durch den Gesang aufkam, bleibt auf „Classical 80s Dance“ leider oftmals aus.

Mike Singer interpretiert „Never Gonna Give You Up“ von Rick Astley im Rahmen seiner sicherlich bemerkenswerten Möglichkeiten sehr ordentlich, bekommt aber einfach nicht das Volumen des Briten in die neue Version des Songs. Ronan Keating nimmt „Smalltown Boy“ den Glanz, da das Stück einfach von Jimmy Somervilles Falsettstimme lebt. Mandy Capristo macht ihre Sache bei „Fade To Grey“ sehr gut und liefert dadurch den wohl besten Song des Albums mit ab.

Was sich Alex Christensen allerdings mit dem Einbinden von David Garrett und seiner Geige bei „Tainted Love“ gedacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis. Wie man diesen Soft Cell Klassiker derart schrill darbieten lassen kann, dass es mehr eine Beleidigung denn eine Hommage an Marc Almond und Dave Ball ist, ist erschreckend und unfassbar zugleich.

Und so zieht sich leider oftmals die Spur der Verwunderung durch diese Veröffentlichung. Und das ist sehr schade, denn die Idee war sehr gut, die Umsetzung wurde sicherlich mit viel Energie und Herzblut betrieben. Aber letztlich lag die Messlatte wohl einfach zu hoch.

Neben vielen Ernüchterungen sind die Tracks „Killer“, gesungen von Seven, „Sweet Dreams (Are Made Of This)“, gesungen von Sophie Ellis-Bextor und „Words“, von Nima sehr gut vokal belebt, die Highlights dieses neuen Albums. Hier wäre es ratsamer gewesen, nur die zehn besten Songs zu veröffentlichen, denn dann wäre es sicherlich ein Knaller-Album geworden. So bleibt es eine durchschnittliche Erfahrung, die nett ist, aber oftmals leider auch nicht mehr.

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