Alexander Wolff – Das Land meiner Väter

Mit „Das Land meiner Väter“ ist dem deutsch-amerikanischen Autoren und Enkel des bekannten Verlegers Kurt Wolff eine interessante, moralisch nicht immer einwandfreie aber dennoch auf ihre eigene Weise bedeutsame Aufbereitung eines Teils seiner eigenen Vergangenheit gelungen.

Der Autor erzählt hier die Geschichte seines Großvaters Kurt Wolff, eines der bedeutendsten Buchverleger des frühen 20. Jahrhunderts. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer einjährigen intensiven Recherche, für die Alexander Wolff sogar ein ganzes Jahr lang von seinem Wohnsitz in Amerika in die deutsche Hauptstadt, nach Berlin, gezogen ist, um sich umgeben von der richtigen Atmosphäre, tief in die eigene Geschichte einzuarbeiten und speziell auch das Leben, Handeln und Vermächtnis seines Großvaters Kurt Wolff bei dieser in den Mittelpunkt zu stellen.

Neben dem Lebenslauf und sozial politischem Schicksal seiner Vorfahren rückt der Autor auch (zwangsläufig) die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und deren Aus- und Nachwirkungen für seine Familie in der Vordergrund. Es geht um Moral – eine Charaktereigenschaft, die sich postum meist nur schwer anzupreisen und letztlich auch loben lässt – und damit verbundene Schicksale. Meistens bewegt sich Alexander Wolff auf durchaus sicherem Terrain, an einigen Stellen – und das sind dann die moralischen, mit denen der in Amerika lebende Autor dann Zusammenhänge vom damaligen zum heutigen Deutschland und seinen Entwicklungen zieht – begibt er sich auf dünneres journalistisches Eis.

Es ist sicherlich immer schwierig, Verfehlungen seiner Vorfahren in den damaligen Zeiten zu erkennen und auch zu akzeptieren. Doch man muss sich seiner Familiengeschichte ungeschönt stellen, um sie anzunehmen – was bei diesem Buch gefühlt nicht immer der Fall gewesen ist. Man selbst ist jedoch nicht für die Taten und Verhaltensweisen seiner Väter und Familie verantwortlich, aber man kann sie aufarbeiten und für sich nutzen, um ein (noch) besserer Mensch zu werden.

„Das Land meiner Väter“ ist in Zusammenarbeit mit der Übersetzerin Monika Köpfer verfasst worden und ein Buch geworden, das zum einen inhaltlich interessant, biografisch, ein wenig erschreckend und letztlich mit einem kurzweiligen Roten Faden versehen ist, der nur durch den zwischendurch immer mal wieder erhobene Zeigefinger berührt wird, und dessen Berührungen besser ausgeblieben wären.

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