Das Debütalbum von Lous And The Yakuza ist erschienen

Mein Leben war immer voller Menschen – aber ich fühle mich trotzdem oft einsam.“ Das sagt Lous and the Yakuza, eine Musikerin, die in einer Dualität aus dem pochenden Herzen und der dunklen Seele ihrer Musik schwelgt.

Geboren als Marie-Pierra Kakoma kam Lous aus ihrer Heimat Kongo mit vier Jahren nach Belgien, um bei ihrer Mutter und drei Geschwistern zu leben. Später zog sie in Ruanda und dann nach Brüssel, um dort ein Internat zu besuchen. Aber wohin sie auch ging: Die Rhythmen ihrer Heimat folgten ihr.

„Ich erinnere mich noch an die Partys, als wir klein waren“, ruft sich Lous, heute 24, verträumt ins Gedächtnis. Ihre Eltern hörten kongolesische Künstler wie Koffi Olomide und Papa Wemba, aber auch Mozart, Beethoven und Vivaldi. Als Teenager tauchte Lous dann in System of a Down und Korn ein – aber auch in die Musik von James Blake und FKA twigs. Die Favoriten ihrer Mutter waren legendäre Sängerinnen und Sänger wie Etta James, Aretha Franklin oder Bob Marley – unverwechselbare Stimmen, die bis heute ganze Generationen in ihren Bann ziehen.

Lous war von Anfang an ein künstlerisch veranlagtes Kind, schrieb eigene Geschichten und dachte sich für jedes Spiel eigene Regeln aus. Die Schulzeit in Brüssel war nicht leicht, denn von ihren Mitstudenten schlug ihr Rassismus entgegen: „Weiße Mädchen aus reichen Familien, die nichts über schwarze Menschen wussten.“ Und genau diese Studentinnen, erinnert sich Lous, waren erstaunt darüber, wie selbstbewusst Lous mit ihrer Identität umging: „Schwarzen Menschen wird die ganze Zeit gesagt, dass sie hässlich seien, aber ich weiß und habe immer gewusst, dass ich schön bin“, sagt sie ohne jede Überheblichkeit. „Die Leute wollen so sehr, dass wir uns selbst fertigmachen.“

Trotz ihrer herausragenden naturwissenschaftlichen Begabung entdeckte sie eine Sehnsucht danach, sich selbst Ausdruck zu verschaffen und anderswo nach Antworten zu suchen. „Ich glaube, ohne Kunst wäre ich tot“, erklärt sie. „Und ohne Musik wäre ich nur zur Hälfte lebendig.“ Lous mag eine Wissenschaftskarriere aufgegeben haben, aber sie nutzt ihre alchemistischen Fähigkeiten, um Sounds miteinander zu fusionieren, die andere für unvereinbar halten. Auch ihre Debütsingle „Dilemme“, die über 30 Millionen Spotify-Streams meldet, verschmilzt geschmeidige Trap-Beats und Elektro-Pop mit ihrem unverwechselbaren, coolen Summen: „Si je pouvais je vivrais seule / Loin des problèmes et des dilemmes“ („Wenn ich könnte, würde ich allein leben / Weit weg von Problemen und Dilemmas“).

Ihr nächster Release, „Tout est Gore“, weckte die Aufmerksamkeit von Madonnas Kindern – Anfang des Jahres teilte die Pop-Ikone ein Instagram-Video ihrer Töchter Stella und Estere, in dem sie zu dem Track tanzen. „Das ist es, was mich antreibt: Zu sehen, wie junge schwarze Mädchen von meiner Musik inspiriert werden und Entschlossenheit daraus schöpfen“, antwortete Lous damals.

„Die Leute sind der Meinung, dass ich talentiert bin, aber ich glaube, der Grund ist vielmehr, dass ich hart arbeite“, sagt sie heute. „Was ich habe, ist kein Geschenk – mein einziges Geschenk war der Wille, etwas zu lernen. Aber was auch immer ich tue, ich muss damit etwas Neues erschaffen.“ Fans haben sich gefragt, warum sie sich „Yakuza“, den Begriff für Japans Syndikate der organisierten Kriminalität, als eine Art Sammelbezeichnung für ihre Bandkollegen ausgesucht hat. Lous gefällt das Wort, weil sie einerseits die japanische Kultur liebt und andererseits die ursprüngliche Bedeutung des Wortes („Verlierer“) mag. „Im Moment bin ich noch immer eine verdammte Verliererin“, lacht sie. „Aber eines Tages wird es richtig abgehen.”
Ihre Zuhörer werden wahrscheinlich den berauschenden Sinn für Dramatik in Lous’ Musik bemerken, aber sie hat auch kein Verlangen danach, die vielen Kämpfe, aus denen ihr bisheriges Leben besteht, zu beschönigen. Das Verfolgen einer Karriere als Musikerin hat für sie Phasen der Obdachlosigkeit, Depression und kurze Episoden als Drogendealerin bedeutet …

„Ich habe zweimal meine Wohnung verloren“, verrät sie. „Ich habe auf der Straße gelebt, bin krank geworden, habe mein Leben auf die furchtbarste Art und Weise verbracht. Ich habe einfach keine Balance gefunden.“ Als sie begriff, dass sie sich der Motive der Menschen aus ihrem Umfeld nicht mehr sicher sein konnte, beschloss sie kurzerhand, drei Monate lang nicht mehr zu sprechen: „Ich empfinde es als eine Beleidigung, wenn jemand nicht hört, was ich zu sagen habe“, gibt sie zu, „denn, was ich sage, ist ja keine unwichtige Sch…“

Lous hat ihr ganzes Leben in die Musik gesteckt und mit Produzenten und Musikern gearbeitet, die sie auf den Straßen Brüssels kennengelernt hat; mit 18 veröffentlichte sie auf Soundcloud ihre Debüt-EP, die sich mit Themen aus dem Bereich Schizophrenie befasste. Mit 21 zog sie die Aufmerksamkeit eines Musikverlegers auf sich, der sie zu Columbia Records brachte. Obwohl sie auch von anderen Labels umworben wurde, fühlte sich Lous wegen der kulturellen Historie zu Columbia hingezogen: „Ich wollte ein Zuhause, in dem Künstler eine Botschaft haben und nicht nur dazu da sind, die Traurigkeit der Menschen unterhaltsam zu gestalten – ich möchte auch Licht zu den Menschen bringen“, erklärt sie. „Ich liebe die Vorstellung, Teil einer so gewaltigen Geschichte zu sein.“

Ihr Debütalbum „Gore“ ist aus zehn Tracks gewobenes Phänomen, das komplett auf französisch ist und von dem Spanier El Guincho produziert wurde, der schon mit Flamenco-Popstar Rosalía an ihrem Grammy-dekorierten Album „El Mal Querer“ gearbeitet hat. „Am Tag an dem Rosalía ‚Malamente’ veröffentlichte, sagte ich zu den Leuten von Columbia, dass El Guincho der Mann ist, mit dem ich zusammenarbeiten will“, sagt Lous. „Ich brauchte Seele, etwas, das sich lebendig anfühlt – und vor allem als schwarze Frau kann es einem passieren, dass niemand weiß, wo man reinpasst. Denn dies ist wie nichts, was man schon mal gehört hat.“

Sie schickte El Guincho zwei Songs mit Gesang und Gitarre – eine Woche später schrieb er zurück und fragte sie: „Wann kommst du nach Barcelona?!“ Natürlich produzierte er am Ende die ganze Platte: „Wir sind jetzt wie Bruder und Schwester.“

Mit El Guincho hat Lous ein zeitloses Album kreiert, das ihrer einzigartigen Identität als Persönlichkeit und Künstlerin gerecht wird. Ihre kongolesischen Rumba-Rhythmen funktionieren perfekt mit El Guinchos lateinamerikanischem Erbe; auf „Courant d’Air“ entscheidet sie sich für einen heftigeren Hiphop-Einfluss, der an ihren Zeitgenossen, den belgisch-kongolesischen Rapper Damso erinnert.

Lous war nie auf Ruhm aus, aber sie wehrt sich auch nicht mehr gegen die Vorstellung, dass sie in rasendem Tempo zu einer der prominentesten neuen Stimmen Belgiens, Frankreichs und anderer Länder der Erde wird – zum Inbegriff einer „internationalen Künstlerin“. „Mir zum Durchbruch zu verhelfen, ist schwierig“, sagt sie schmunzelnd. „Entweder, man hält mit mir Schritt oder man bleibt im Hintergrund.“

Wie würde sie ihre Philosophie beschreiben? „Meine Musik ist die konstante Suche nach Wahrheit“, sagt Lous. „Ich glaube, die Menschen haben keine Ahnung, was zur Hölle ich hier gerade mache.“ Sie grinst. „Es ist beunruhigend, weil es anders ist.“

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