Umfangreiche Neuauflage des 6. The Doors Albums erscheint

Im Amerikanischen spricht man davon, sein „Mojo“ gefunden zu haben, wenn man geradezu magische (Strahl-)Kraft besitzt. The Doors fanden ihr Mojo im November 1970, als sie „L.A. Woman“ über den Verlauf von sechs Tagen im Workshop aufnahmen, dem Proberaum der Band am Santa Monica Boulevard. Das Album war sowohl bei Kritikern als auch kommerziell ein voller Erfolg und ist international vielfach Gold- und Platin-dekoriert (Gold in DE), was kaum verwundert, denn es enthält einige der zeitlos besten Songs der Band, darunter den US-Top-20-Hit „Love Her Madly“, „Riders On The Storm“, den Titeltrack und – da ist es wieder, das Mojo – „Mr. Mojo Risin‘“.

In diesem Jahr feiert das Album seinen 50. Geburtstag, ein Umstand, den Rhino mit einem 3-CD/1-LP-Set würdigt, das am 3. Dezember erhältlich sein wird. L.A. WOMAN: 50TH ANNIVERSARY DELUXE EDITION enthält das Originalalbum – neu gemastert von Bruce Botnick, dem langjährigen Tontechniker und Mischer der Doors –, zwei Bonus-CDs mit unveröffentlichten Studio-Outtakes und den Stereo-Mix des Originalalbums auf 180g-Vinyl. Am selben Tag wird die Sammlung auch über digitale und Streaming-Dienste erhältlich sein, außerdem ist ein neuer Dolby-Atmos-Mix des Originalalbums von Botnick verfügbar.

Das bisher ungehörte Original-Demo von „Riders On The Storm“ aus der Frühphase der Recording Sessions für das Album in den Sunset Sound Studios ist schon heute digital erhältlich. Es wurde kürzlich auf einem unbeschrifteten Magnettonband in den Archiven der Band entdeckt, nachdem es jahrzehntelang als verschollen galt. Die Aufnahmen fanden mit dem Produzenten Paul A. Rothchild statt, der das Demo in seinem längst berühmten Ausspruch als „Cocktailmusik“ bezeichnete, was seinerzeit dazu führte, dass Rothchild das Projekt verließ und die Band sich dazu entschloss, das Album gemeinsam mit Botnick zu produzieren.

Mehr als zwei Stunden unveröffentlichter Aufnahmen aus den Sessions zu „L.A. Woman“ hält diese neue Sammlung bereit, sodass man beim Hören die Evolution der einzelnen Songs im Studio miterleben kann, als wäre man live dabei gewesen. Auch ein frühes Demo für „Hyacinth House“, aufgenommen 1969 in Robby Kriegers Homestudio, ist enthalten.

Die Outtakes dokumentieren Jim Morrison, John Densmore, Robby Krieger und Ray Manzarek, wie sie im Studio mit zwei weiteren Musikern arbeiten: Rhythmusgitarrist Marc Benno – der mit Leon Russell im The Asylum Choir arbeitete – und Bassist Jerry Scheff, der ein Mitglied von Elvis Presleys TCB Band war.

Botnicks Schilderungen zufolge verfolgte die Band bei den Aufnahmen einen organischeren Ansatz, anstatt immer wieder anzufangen und abzubrechen, um technische Perfektion zu erreichen. „Die bisher unveröffentlichten Aufnahmen, mit denen wir es hier zu tun haben ­– fortlaufende Takes von „The Changeling“, „Love Her Madly“, „Riders On The Storm“ und „L.A. Woman“ – zeigen eine Band, die vom Groove geradezu besessen ist, während sie Wendungen und Schnörkel mit der Präzision einer perfekt eingespielten Soul-Combo vollführt… Die Idee war, von Song zu Song zu gehen, es fließen zu lassen.“

In den Outtakes der Albumtracks kann man auch Zeuge werden, wie die Band lustvoll durch die Art von klassischen Blues-Songs fegt, die Morrison einst als „original blues“ bezeichnete. Es warten großartige Interpretationen von Junior Parkers „Mystery Train“, John Lee Hookers „Crawling King Snake“, Big Joe Williams‘ „Baby Please Don’t Go“ und „Get Out Of My Life Woman“, Lee Dorseys funky Klassiker von 1966, geschrieben von seinem Produzenten Allen Toussaint.

In den ausführlichen Linernotes der Sammlung erkundet erfahrene Rockjournalist David Fricke die rasend schnelle Entstehung des Albums, zugleich dem letzten mit Morrison, der wenige Monate nach der Veröffentlichung in Paris sterben sollte. „Morrison mag nie wieder zu The Doors zurückgekehrt sein“, schreibt er, „doch durch seinen Tod wurde ‚L.A. Woman‘ zur Wiedergeburt, zum Triumph und zum Finale, alles auf einmal. Und es ist Blues – ‚original blues‘, wie von Morrison versprochen. Bis heute gibt es auf der Welt nichts Vergleichbares.“

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