Max Giesinger fährt „Taxi“

Zu den Seltsamkeiten des Lebens gehört es, dass man sich, sagen wir mal: einfach nicht den Vornamen des Nachbarn aus dem zweiten Stock links merken kann, mit dem man seit Jahren in einem Haus lebt. Oder immer wieder die eigene PIN vergisst, wenn man am Geldautomaten steht. Und andererseits aber von einzelnen Momenten gestochen scharfe Phantomzeichnungen machen kann, auch wenn sie schon Jahre zurückliegen. Vielleicht sogar zehn. Vielleicht von einer dunklen, betrunkenen Nacht, in der ein anderer Mensch eine Rolle spielte, für eine, zwei, zweieinhalb Stunden. Nie davor. Nie danach. Nie vergessen.

Max Giesinger erzählt von so einer Erinnerung, fotografisch genau in sein Gedächtnis gemeißelt. Ein Abend des Jahres 2012, mitten im Sommer. Die Frau an der Bar, ein paar Drinks, flirtige Gespräche, 40 Grad Lufttemperatur draußen, vor Schweiß klebende Klamotten. Ein Taxi vor der Tür, rein, Fenster auf, fiebrige Küsse auf der Rückbank – und dann ist sie plötzlich weg, rausgesprungen an einer Ampel, rausgesprungen aus seinem Leben. Aber wie bei einem Pawlow’schen Hund hat sich dieser Moment eingegraben. Wann immer Max in einem Taxi sitzt, springen seine Gedanken ein Jahrzehnt zurück in diese Nacht, und ihm wird warm. Er kann nichts dagegen tun.

„TAXI“ ist die erste Single von „VIER EINHALB“, der Deluxe-Version von „VIER“, dem letzten Album von Max Giesinger. Es ist einer von sieben neuen Songs, einer, der wie eine gute Clubnacht klingt, der schwitzt und dampft und fiebrig treibt. Es ist Musik, die man beinahe riechen kann. Und ein Vorgeschmack ist auf eine Jahreszeit, die viel verspricht und hoffentlich noch mehr hält. Wenn’s nach Max geht: Der Sommer kann kommen.

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